"Trendwende bei Versicherungsaktien"

15. Dezember 2003, 11:07
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Assekuranzen haben finstere Zeiten gesehen, seit März erholen sich die Titel aber deutlich - Experten können einigen Unternehmen jetzt wieder etwas abgewinnen - mit Infografik

Versicherungen sind mit extrem hohen Aktienpositionen in die Börsenbaisse der vergangenen drei Jahre gefahren und hatten Schadensquoten von über hundert Prozent, ein Portfolio von Verlustbe- teiligungen inklusive extrem hoher Wertberichtigungen. Gleichzeitig haben Anbieterkrieg und schwache Konjunktur die Prämienentwicklung negativ beeinflusst.

Seit März des Jahres steigen die Titel aber aus ihren finsteren Tiefen: Nachdem Kursverluste von zwei Dritteln bis zu 80 Prozent die Branche gezeichnet hatten, brachten die vergangenen acht Monate ein Kursplus von durchschnittlich 40 Prozent.

Kapitalerhöhungen

Die Konzerne haben sich nun durch diverse Kapitalerhöhungen (etwa Allianz, Münchner Rück) frisches Geld geholt, sind mit internen Restrukturierungen ein gutes Stück weitergekommen und konnten ihre Schadensquoten wieder unter 100 bringen. Und: Mit der Erholung der Aktienmärkte haben sich die Veranlagungsergebnisse laufend verbessert.

Die Quartalsberichte hatten dies zuletzt bereits gespiegelt und die Titel so wieder in günstiges Licht der Fondsmanager gebracht. Günstig wirkt dabei auch die günstige Bewertung der Titel, die mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) von rund zehn nicht hoch bewertet sind, teilweise aber sehr stattliche Dividendenrenditen ausschütten.

Assekuranzenfonds prüfen

Grund genug für Private, meint Heinrich Kraus, Manager des VIF-Fonds der Ringturm KAG, Fondsgesellschaft der Wiener Städtischen Versicherung, jetzt Assekuranzenfonds zu prüfen: "Die Trendwende der Branche ist da, jetzt ist ein guter Einstiegszeitpunkt." Der VIF besteht seit 1988 und investiert mit einem gegenwärtigen Volumen von rund 218 Mio. Euro möglichst "rein" in Versicherungen Westeuropas und in den USA. Die größten Positionen sind Schweizerische Rück, AIG, Fortis, Lloyds, Aegon und ING. Die Städtische ist mit rund zwei Prozent gewichtet - sie verwendet den Fonds auch für die hauseigenen Fondspolizzen.

Die vergangenen drei Krisenjahre der Assekuranzen hat der Fonds mit durchschnittlich minus 17,94 Prozent überstanden. Teilweise hat der Cash-Anteil im Fonds zu dieser Zeit 50 Prozent betragen. Durchgerechnet auf zehn Jahre bis Ende Oktober 2003 sind Anlegern pro Jahr noch 3,91 Prozent geblieben. Kraus erwartet, dass er in den kommenden Jahren jeweils "mindestens fünf Prozent" Rendite zusammenbringt. Kraus baut derzeit sukzessive die gegenwärtig noch 30-prozentige Cash-Position, steigert den Veranlagungsgrad.

Seine Argumente für die gute Zukunftserwartung sind "langfristige Faktoren": In Europa treibe die Debatte um die staatlichen Pensionen, damit die zunehmend notwendige private Vorsorge die Gewinne der Versicherungen. Zwar verbuchten europäische Versicherungen in Osteuropa noch Anlaufverluste, trotzdem seien die Wachstumschancen in den neuen Ländern und künftigen EU-Beitrittskandidaten besonders gut. Für seine amerikanischen Versicherungen im Portfolio sieht er die Expansion nach Asien als treibende Kraft. (kbau, Der Standard, Printausgabe, 24.11.2003)

  • Laut Versicherungs-Fondsmanager Heinrich Kraus ist jetzt ein guter Einstiegspunkt
    foto: photodisc

    Laut Versicherungs-Fondsmanager Heinrich Kraus ist jetzt ein guter Einstiegspunkt

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