US-Benzindurst pusht Ölpreis

2. Dezember 2003, 11:28
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Weil die Amerikaner mehr Treibstoff verbrauchen als sie erzeugen, kaufen sie ihre benötigten Mengen in Rotterdam zu - Das hält die Preise trotz guter Ölversorgung hoch - mit Infografik

Wien - Die Treibstoffpreise dürften in Österreich trotz weltweit guter Ölversorgung auf absehbare Zeit hoch bleiben. "Das hängt mit den USA zusammen, aber auch mit der gestiegenen Angst vor Terroranschlägen", sagte der Österreich-Chef des internationalen Energiebrokers PVM, Johannes Benigni, im Gespräch mit dem STANDARD. "Die Märkte sind extrem nervös."

Wie nervös die Märkte sind, zeigt ein Vorfall vom Freitag: Die Meldung von einem Anschlag auf das irakische Erdölministerium in Bagdad hat den Preis für die in Europa maßgebliche Ölsorte Brent kurzfristig um 50 US-Cent auf 30 Dollar katapultiert. Wäre eine Förderanlage oder eine Ölpipeline getroffen worden, hätte dies noch gravierendere Auswirkungen gehabt, heißt es. Zum Wochenschluss hat sich der Preis für ein Fass (je 159 Liter) Brent-Öl wieder bei 29,35 Dollar stabilisiert.

Stärker als in anderen Jahren ist in diesem Herbst die Benzinnachfrage in den USA gestiegen. Allein im Oktober haben die Amerikaner um fünf Prozent mehr Benzin nachgefragt als im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Wenig Puffer

Die verstärkte Benzinnachfrage könne man als Indiz für die Konjunkturerholung in den USA werten, sagte Benigni. Anders als in Europa sei dort auch die Industrie ein starker Benzinverbraucher. Dank steuerbedingt niedriger Spritpreise würden die Trucks großteils mit Benzin betankt.

Obwohl die Internationale Energie Agentur (IEA; siehe Wissen) den Industrieländern empfiehlt, genügend Erdöl und verarbeitete Produkte auf Vorrat zu halten, sind die Puffer in den USA klein. Das hängt mit der Just-in-Time-Bevorratung der US-Mineralölfirmen zusammen, die Lagerkosten sparen wollen.

Importe

Weil Raffinerien vor Beginn des Winters vorwiegend Heizöl und Diesel produzieren, kann der Zusatzbedarf an Benzin nur durch Importe gedeckt werden - hauptsächlich aus Europa. "Das hat zur Folge, dass die Preise an den Zapfsäulen in Deutschland und Österreich steigen oder zumindest hoch bleiben", sagte Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst in Hamburg.

Eine deutliche Entspannung an der Preisfront könnte im Frühjahr eintreten, wenn es dem Ölkartell Opec beim Treffen Anfang Dezember in Wien misslingt, eine kräftige Produktionskürzung zu beschließen. Beim Ölbroker PVM geht man davon aus, dass trotz starker Ölnachfrage aus China und der sich abzeichnenden Konjunkturerholung weltweit mehr Erdöl gefördert als verbraucht wird. Vor allem Russland, aber auch vermehrt afrikanische Staaten seien drauf und dran, den Markt mit zusätzlichen Mengen zu überschwemmen, sagte Benigni.

Etwa drei Mio. Fass am Tag müssten aus dem Markt genommen werden, um den Ölpreis im 1. und 2. Quartal 2004 in dem von der Opec selbst gesetzten Preisband von 22 bis 28 Dollar zu halten. Andernfalls könnte er darunter fallen. Derzeit produzieren die zehn Opec-Länder (ohne den noch nicht in der Quote erfassten Irak) 24,5 Mio. Fass pro Tag. (Günther Strobl, Der Standard, 24.11.2003)

  • Die verstärkte Benzinnachfrage kann man als Indiz für die Konjunkturerholung in den USA werten
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    Die verstärkte Benzinnachfrage kann man als Indiz für die Konjunkturerholung in den USA werten

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