Rund 1.000 Teilnehmer - Kleinere Rangeleien mit Gegendemonstranten
Berlin - Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen haben
am Samstag Hunderte fundamentalistische Moslems in Berlin friedlich
demonstriert. Rund 1.000 Menschen versammelten sich am Samstag im
Zentrum der Hauptstadt. Am einer pro-israelischen Gegenkundgebung
beteiligten sich etwa hundert Menschen. Mehrere hundert Polizisten
trennten die beiden Gruppen voneinander. Zwei Demonstranten wurden
erkennungsdienstlich behandelt, aber nicht festgenommen.
Zu kleineren Rangeleien kam es zwischen den Gegendemonstranten und
der Polizei. Einige Kundgebungsteilnehmer wollten sich mit einer
israelischen Fahne der Islamisten-Demonstration in den Weg stellen.
Die Polizei sperrte die Aktivisten kurzfristig in ein Cafe ein und
drängte sie dann in einen nahe gelegenen Hauseingang ab. Die
Türscheibe des Cafes ging dabei zu Bruch, verletzt wurde niemand.
Anti-Konflikt-Konzept
Polizeisprecherin Brigitte Wenzel zeigte sich mit dem
Anti-Konflikt-Konzept der Polizei sehr zufrieden. Im Gegensatz zu den
Vorjahren seien während der Moslem-Demonstration keine Hass-Parolen
gegen Israel gerufen worden. Redner hatten allerdings ein
"zionistisches Komplott gegen Moslems und Christen im heiligen Land"
angeprangert. Die Polizei zog ein Schild mit der Aufschrift "Juden
sind Mörder" aus dem Verkehr. Unter den Demonstrationsteilnehmern
waren Araber, Türken und Iraner. Viele trugen Bilder des früheren
iranischen Revolutionsführers Ayatollah Khomeini.
Die Demonstranten begingen mit ihrer Aktion den Al-Quds-Tag
(Jerualem-Tag).Erstmals 1979 hatte Khomeini zu Kundgebungen an diesem
Tag aufgerufen, um die Solidarität der Moslems mit den Palästinensern
zum Ausdruck zu bringen und die "Befreiung" Jerusalems (arabisch Al
Quds) von den "Zionisten" zu fordern. In Berlin gibt es sie seit
1995. In diesem Jahr protestierte zum ersten Mal ein Gegenbündnis aus
Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, der Grünen, der CDU, der PDS und
anderen Gruppierungen. (APA/AP)