Ein Termin für das improvisierte Original

Redaktion, 21. November 2003, 19:16

Die von der Stadt Graz subventionierte "Gegen-Diagonale" findet von 3. bis 7. März statt

Wien/Graz - Einerlei, ob es "originale Diagonale" oder "Gegen-Diagonale" heißen wird: Das Festival des österreichischen Films, welches das Forum Österreichischer Film (das bereits für die bisherigen Festivals verantwortlich war) ausrichtet, wird von 3. bis 7. März 2004 in Graz stattfinden. Und es hat den Sanctus der Exintendanten: Christine Dollhofer und Constantin Wulff sehen in diesem Festival den legitimen Nachfolger.

Während die Zukunft der von Staatssekretär Franz Morak installierten neuen Diagonale nach dem Rücktritt des Österreich-Kurators Wolfgang Ainberger ungewisser denn je erscheint, konnte der Sprecher der "Gegen-Diagonale", der Produzent Alexander Dumreicher-Ivanceanu, bei Pressekonferenzen in Graz und Wien mit einem konkreten Termin aufwarten.

Dumreicher-Ivanceanu präsentierte die neuen Mitglieder des Beirats, die Regisseure Ulrich Seidl und Petrus van der Let, die Filmemacherin Ruth Beckermann sowie die Schauspielerin Cornelia Köndgen. Dieser soll noch um eine Person aus dem Kurz- und Avantgardebereich und um einen Filmproduzenten ergänzt werden. Deren Aufgabe wird es sein, in zehn Tagen eine zwei-bis fünfköpfige Programmkommission zu berufen, welche die Filmauswahl trifft.

Unterdessen bestätigte der Klubobmann der Grazer SP, Karl Heinz Herper, gegenüber dem STANDARD, nunmehr nicht mehr beide Festivals unterstützen zu wollen. Er werde vielmehr beim anstehenden Budgetbeschluss der Stadt Graz am 15. Dezember dafür Sorge tragen, dass allein die "originale Diagonale" gefördert wird, "um ein Zeichen der Nachhaltigkeit zu setzen".

Unterstützt wird das Festival von der Mehrheit der Filmschaffenden, die hiermit beweisen, dass sie sich, so Ulrich Seidl, "zu keinen Günstlingen machen lassen". Weiter unklar ist indes die Rolle des Produzentenverbands, der zuletzt für eine Annäherung an die Diagonale unter Tilmann Fuchs und Miroljub Vuckovic plädierte, dessen Mitglieder jedoch in der Causa gespalten sind. Offizielles Statement dazu wurde keines verlautbart.

Morak gab sich trotz des Rücktritts Ainbergers in einer Stellungnahme im Ö1-"Mittagsjournal" eher unbeeindruckt: Er bedauere dessen Entscheidung und fordere die unterschiedlichen Parteien auf, sich an einen gemeinsamen Tisch zu setzen, um eine - soll heißen: die "offizielle" - Diagonale zu ermöglichen. Vuckovic strapazierte diesbezüglich den Vergleich mit der sinkenden Titanic (siehe Kommentar der anderen) und fügt auf Anfrage hinzu: "Ich bin nicht der Kapitän, sondern das Schiff." (DER STANDARD; Printausgabe, 22.11.2003)

von Dominik Kamalzadeh

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