Name soll beibehalten werden - Dollhofer und Wulff übergaben an neues Team - Appell an Morak: Fehler einsehen oder zurücktreten
Wien/Graz - Die Diagonale wird von 3. bis 7. März in
Graz in den bewährten Festivalkinos und mit dem eingeführten
Festivalzentrum im Palais Thienfeld stattfinden. Als Ausrichter fungiert jedoch nicht der neue Trägerverein, der Miroljub Vuckovic und
Tillmann Fuchs als Festival-Leiter bestellte, sondern jenes "Forum
Österreichischer Film", das schon in den vergangenen Jahren das
Festival ausgerichtet hat.
In einer außerordentlichen Generalversammlung wurden die
dazu erforderlichen Beschlüsse gefasst. Die bisherigen Intendanten
und Geschäftsführer, Christine Dollhofer und Constantin Wulff, traten
zurück und haben ihre Geschäfte einem neuen Team übergeben: "Wir
sehen das als Kontinuität und diese große Solidargemeinschaft als
würdige Nachfolger", erklärte Wulff.
"Unsere Diagonale wird das
Festival sein, das es immer gegeben hat"
Bei der Generalversammlung wurden Vertreter diverser Verbände des
österreichischen Filmschaffens als Mitglieder aufgenommen sowie ein
Diagonale-Beirat bestellt, in den mit den Regisseuren Petrus van der
Let und Ulrich Seidl, der Filmemacherin Ruth Beckermann und der
Schauspielerin Cornelia Köndgen einige Verbände Vertreter entsandt
haben, und der um einen Vertreter des Kurz- und Avantgardefilms und
der Filmproduzenten ergänzt werden soll. Dieser Beirat soll in etwa
zehn Tagen eine zwei- bis fünfköpfige Programm-Kommission berufen,
die für die Filmauswahl des kommenden Festivals verantwortlich ist.
Einen Intendanten wird es nicht geben.
"Ich bin nicht der Leiter des Festivals", versicherte auch
Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Produzent und bisher Sprecher der
"Gegen-Diagonale", "meine Aufgabe war es, das, was wir jetzt
vorstellen dürfen, in die Wege zu leiten. Ab heute funktioniert die
Diagonale und steht auf soliden Füßen." Die "juristische etwas
verworrene Frage", ob man den Namen Diagonale für das Festival
benützen dürfe, habe man nach juristischer Beratung von der ideellen
Seite her entschieden: "Dieser Verein hat seit sechs Jahren ein
Festival gemacht, das Diagonale heißt. Unsere Diagonale wird das
Festival sein, das es immer gegeben hat. Es gibt also keinen Grund,
am Namen etwas zu ändern. Und spätestens seit gestern, seit dem Brief
von Wolfgang Ainberger ist klar, dass der Versuch, eine andere
Diagonale zu machen, gescheitert ist."
"Wir haben gezeigt, dass wir diskussionsfähig sind"
Für Ruth Beckermann, die als Vertreterin von "dok.at", der
Interessensgemeinschaft österreichischer Dokumentarfilmschaffender"
im neuen Diagonale-Beirat sitzt, gibt es für Kunststaatssekretär
Franz Morak (V) "nun nur zwei Möglichkeiten: Er sieht ein, dass er
einen Fehler gemacht hat - oder er muss zurücktreten bzw. vom
Bundeskanzler dazu aufgefordert werden." Sie freue sich, dass die
Filmschaffenden auf die "Provokation" der Diagonale-Neugründung gegen
den Willen der Branche mit "unglaublichem Professionalismus" reagiert
habe: "Wir haben gezeigt, dass wir diskussionsfähig sind und wir uns
einigen, wenn es um ernsthafte Dinge geht."
Auch die Filmemacher Ulrich Seidl ("Gut, dass wir nicht nur in
Opposition verharren") und Dieter Berner ("Das Fördern von Kultur
darf nicht als Gnadenakt angesehen werden") äußerten sich
dahingehend. Seidl bedankte sich beim Österreich-Kurator der
Vuckovic/Fuchs-Diagonale Wolfgang Ainberger, der zuvor in einem
Brief seine eigene Festival-Leitung heftig angegriffen hatte, "für
seine Wahrhaftigkeit und seinen Mut, den er letztendlich bewiesen
hat." Und Dieter Berner: "Was durch die Aussagen von Ainberger nun
rausgekommen ist, gibt uns mehr als Recht."
Allgemeine Unterstützung
Die als Reaktion auf die "Morakonale" ins
Leben gerufene "Gegen-Diagonale", die nun keine Gegenveranstaltung,
sondern die "originale Diagonale" sein will, wird auch beim Personal
auf bewährte Kräfte zurückgreifen können. Fast geschlossen habe die
alte Mitarbeiter-Mannschaft sich bereit erklärt, unentgeltlich für
die Diagonale zu arbeiten, erzählte Andrea Pollach. Der errechnete
Wert dieses ehrenamtlichen Personaleinsatzes belaufe sich auf rund
250.000 Euro.
Nun hoffen die Veranstalter auch, die gesamte vom Grazer
Gemeinderat bewilligte Summe von 200.000 Euro für sich lukrieren zu
können. Etliche Sponsoren hätten sich bereits gefunden, auch der
Tourismusverband Graz hätte Unterstützung zugesagt. Zusätzlich hat
sich ein Unterstützungskomitee gebildet, das ein Unterstützungs-Konto
eingerichtet hat.
(APA)
Einreichungen für Filme können ab sofort bis zum 20. Dezember
erfolgen, entsprechende Formulare sind auf der
Diagonale-Webseite zum Download bereit. Das Filmmuseum Wien und das Filmarchiv Austria
haben bereits Einladungen angenommen, für das Festival Programme zu
kuratieren, auch die Filmemacher von Sixpack sind mit dabei.