Kurator Ainberger empfahl Absage

Redaktion, 21. November 2003, 13:05
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    foto: der standard/semotan

    Wolfgang Ainberger (Archivbild von 1998)

"Die Diagonale 04 kann nicht stattfinden" - offener Brief sorgt in der Filmbranche für Aufsehen

Wien/Graz - Kurz bevor am Donnerstagabend Alexander Dumreicher-Ivanceanu sein Konzept für eine Gegen-Diagonale in Graz präsentierte, sorgte in der heimischen Filmbranche ein Brief für Aufsehen, der die von Franz Morak installierte neue Diagonale unter Miroljub Vuckovic und Tillmann Fuchs endgültig zum Einsturz bringen könnte.

In diesem Schreiben, das auch als "Kommentar der anderen" im STANDARD publiziert ist, rät der Österreich-Kurator des Festivals, Wolfgang Ainberger, die Diagonale 04 abzusagen: Sonst "würde ein unvorstellbarer Image-Schaden entstehen, der allen Beteiligten auf den Kopf fällt". Um die Kontinuität des Festivals in Graz zu erhalten, empfiehlt Ainberger eine verstärkte Unterstützung von Ivanceanus Gegen-Diagonale durch die Stadt Graz.

"Parallel dazu muss die Diagonale neu unter Miteinbeziehung der Branche neu ausgeschrieben werden. Nennungsfrist Februar 2004, bis dahin wird ein interimistischer Leiter bestellt, der nach Reduzierung der laufenden Kosten logistisch und finanziell mit der Gegen-Diagonale kooperiert und auch am Programm mitarbeitet. Hand in Hand mit diesem Procedere soll man um mehr Zeit für die nötigen Konsultationen und der Einbeziehung der Verbände zu gewinnen,die Neubestellung des Österreichischen Filminstituts nicht über das Knie brechen und Direktor Gerhard Schedl bitten, ein Jahr noch zur Verfügung zu stehen."

Ende einer Farce?

Ainbergers Brief, der mit konkreten Vorwürfen gegen Fuchs ("nicht die geringste Ahnung von einem Filmfestival") und Vuckovic ("kümmert sich um kaum etwas") nicht spart, wurde in der Branche weithin als logisches Resultat der bisherigen Entwicklung gelesen. ÖFI-Direktor Schedl erklärte dem STANDARD gegenüber, er habe jüngst bei Vermittlungsversuchen erkennen müssen, dass eine Einigung in Sachen Diagonale derzeit unmöglich sei.

Auch Schedl legt Morak eine Absage der Diagonale 04, ebenso wie Peter Zawrel, Leiter des Film Fonds Wien, der hofft, "dass die Farce nun zu Ende ist und sich ihre Hauptdarsteller besserer Dinge besinnen, statt als Knallchargen zu agieren. Der dilettantische Geschäftsführer möge Sündenböcke finden, die anderen Dilettanten in diesem Land gefallen, was ihnen und uns aber egal sein kann; der große Naive möge sich mit Verbeugung zurückziehen und so tun, als wäre er irrtümlich auf die falsche Bühne geraten - aber was macht der Regisseur? Wird der Theaterdirektor ihm ein Zeichen geben?"

Zawrel über Moraks Optionen: "Und wenn es dann auch nur heißen sollte: Ich habe mich geirrt. Das wäre eine große Geste, eines großen Schauspielers würdig. Und könnte ihm eine Wahrhaftigkeit verleihen, die er außerhalb der Bühne am Ring noch nie verkörpert hat. Vorerst jedoch ziehe ich den Hut vor Wolfgang Ainberger, der im richtigen Moment aus der Rolle des Hofnarren gefallen ist."

"Heavy situation"

Im Staatssekretariat sah man sich vorerst zu einer Stellungnahme in Sachen Diagonale 04 außerstande. Miroljub Vuckovic wiederum erklärte als künstlerischer Intendant des Festivals lediglich: "It's a heavy, heavy, heavy situation!". Ainbergers Brief sei eher Symptom als Auslöser einer Krise. Davon abgesehen habe er, Vuckovic, Ainberger nicht ausgewählt. "Er ist mir vorgeschlagen worden. Ich habe ihn lediglich akzeptiert."

Auch Gegen-Diagonale-Leiter Alexander Dumreicher-Ivanceanu kommentierte Ainbergers Aussagen: "Mit den Einblicken, die er gibt, ist das Ende der Morakonale gekommen: Ich kann mir nicht vorstellen, wie Tillmann Fuchs unter diesen Bedingungen etwas veranstalten kann, was auch nur im entferntesten an ein Festival erinnert. Ich denke, dass jetzt für alle in der Filmbranche offensichtlich ist, dass Franz Morak mit seinem Versuch, die Branche zu spalten, gescheitert ist."

Ainbergers Rolle sei, so Ivanceanu, zwiespältig: "Er hat sich zu lange von Morak und Fuchs instrumentalisieren lassen. Gleichzeitig anerkennen wir, dass er die Sinnlosigkeit der Situation erkannt hat und die Notbremse zieht, um das seltsame Abenteuer jetzt zu beenden." Die Gegen-Diagonale, laut Ivanceanu die "originale 'Diagonale'" hingegen werde nun, getragen von "der klaren Haltung der Filmschaffenden und der Unterstützung aus Graz" Anfang März stattfinden. Mehr darüber im STANDARD vom 22./23.11.2003. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2003)

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