Größe XXXXXXL

9. Dezember 2003, 22:17
posten

Warmes für kalte Zeiten: Eine Designerin hat einen Mega-Kimono entworfen, in dem man auch schlafen und "wohnen" kann

Berliner Nächte sind lang, besonders dann, wenn man sie in einem viel zu engen Mumienschlafsack oder unter einer miefigen Decke verbringen muss. Davon hatte Sandra Thomsen die Nase voll. Und weil sie oft und gern nach Berlin fährt, wollte sie an ihrer ungemütlichen Notunterkunft bei ihren Freunden etwas ändern: Die Industriedesignerin entwickelte einen kimonoähnlichen Schlafsack, in dem man nicht nur schlafen, sondern auch "wohnen" kann.

In ihrer Hamburger Wohnung breitet sie den rund 220 cm langen und 180 cm breiten, ovalen Wohn-Schlafsack auf dem Boden aus. "Oval" nennt die studierte Industriedesignerin schlicht ihr Produkt. Der feste Außenstoff ist aus grau-braun gechinzter Baumwolle, das fein gestreifte Futter aus leichter Viskose lugt aus dem Innern hervor. Von außen wirkt der Wohn-Schlafsack eher wie ein übergroßer Parka, der Innenbezug hingegen erinnert an Bettwäsche.

"Wenn man 'Oval' in der Wohnung trägt, soll man nicht das Gefühl haben, in einer Bettdecke herumzuspazieren," erklärt sie. Im Kopf- und Fußbereich befinden sich zwei Reißverschlüsse, über deren Öffnungen der Wohn-Schlafsack wie ein Kapuzenpulli übergezogen wird, die Arme werden durch die vorgesehenen Schlitze gesteckt. "Man hat die Hände frei, um zu lesen oder einen Tee zu trinken", erklärt die Designerin einen Vorteil gegenüber herkömmlichen Schlafsäcken. Wenn es zu kalt wird, lassen sich die beiden Seitenteile in der Mitte mit Knebelknöpfen miteinander verbinden.

Das besonders leichte und wärmende Füllmaterial Thinsulate, das oft als Futter von Handschuhen verwendet wird, hat die Hamburgerin eigens bei 3M in Ohio bestellt. Wenn man jetzt durch die Wohnung geht, hat man das Gefühl, als trage man einen einen Parka in Größe XXXXXXXXL, auf dem Sofa verwandelt sich "Oval" in eine großzügige Decke, in die man sich einkuscheln kann.

Dass die Designerin mit "Oval" im Trend liegt, hat auch die Jury des Möbelherstellers "habitat" erkannt und ihr Anfang Oktober den Design-Preis verliehen. Damit der Schlafsack in Produktion geht, müsste die Thomsen die Rechte daran abtreten - und diese Entscheidung fällt ihr schwer. "Die machen die Modelle womöglich in knalligen Farben und applizieren bunte Blumen", befürchtet sie. (DerStandard/rondo/Anette Frisch/21/11/03)

  • Artikelbild
Share if you care.