Mobile Lachnummer

14. Dezember 2003, 21:10
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Neulich, als die Eisenbahner streikten und Bahnfahrer sehnsüchtig auf Nachrichten warteten, wäre mobiles Internet wirklich gelegen gekommen

Neulich, als die Eisenbahner streikten und Bahnfahrer sehnsüchtig auf Nachrichten warteten, ob sie eine Chance auf Anschluss hätten, wäre mobiles Internet wirklich gelegen gekommen. Also sitzt du in Salzburg im Wirtshaus mit zwei Freunden, und alle zücken ihre neuen Handys, weil doch Datenverkehr die eigentliche Zukunft des Handys ist; quasi Information at your fingertips.

Detailprobleme

Aber denkste. Das Unterfangen scheiterte an vielen Details, zuerst an den Einstellungen des einen neuen Handys, die zwar vom Betreiber geschickt wurden, aber fehlerhaft waren. Dann wollten der neue Handheld und das andere neue Handy nicht so recht, dann wollte die Datenverbindung nicht, aber ein kleiner Trip vor die Tür des Wirtshauses konnte das bereinigen. Schlussendlich gelang es auf einem der wunderbaren Multimedia-Handys, die Internetseite der ÖBB zu erreichen, was ein bissel mühsam ist, wenn du dir vorstellst, wie groß ein PC-Bildschirm im Vergleich zu einem großen Handy-Bildschirm ist, aber immerhin: Schließlich gelangten wir doch noch zu der Mitteilung, dass die ÖBB bemüht seien, den Bahnbetrieb schnell wiederherzustellen, und dass man alles Nähere - am besten bei der Auskunft erfrage, wo das Tonband lief.

Begrenzter Nutzen

Die Moral von der Geschichte: Selbst ambitionierte Nutzer haben derzeit nur wenig Nutzen von Internet-Datendiensten. Zu viele Dinge passen nicht zusammen, von den weiterhin mühsamen Einstellungen unterschiedlichster Geräte (vor allem, wer immer bereit ist, auf das Neueste zu setzen, wird durch mangelhaftes Service bestraft) bis zu unbrauchbaren Angeboten. Zum Beispiel lernte der ÖBB-Fahrplan, der seit Monaten im Übersichtsmenü auf Handys aufscheint, erst vor kurzem tatsächlich das Laufen - dabei wäre gerade eine Zugauskunft am Handy ein nützliches Service, für das man Nachteile (kleiner Schirm, langsame Antwort) in Kauf nehmen würde.

Lachhaft

Für solche Erfahrungen wird Otto Normaluser von technophilen Avantgardisten im besten Fall belächelt, im schlechtesten beschimpft - wegen mangelnden T.Q.s (Techno Quotient). Aber die Rechnung für die unbrauchbaren Angebote wird den Betreibern präsentiert, in Form von geringer Nutzung; und dies ist auch eines der Grundprobleme für die neuen UMTS-Handys, die ohne Datennutzung völlig sinnlos sind. Den rauschenden Erfolg der ersten Handywelle brachte einfache Bedienung - davon ist die nächste Welle noch Lichtjahre entfernt. (Helmut Spudich / DER STANDARD Printausgabe, 21.11.2003)

Gerade wenn mobiles Internet besonders praktisch wäre, ist es auch besonders mühsam. Helmut Spudich macht frustrierende Erfahrungen
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