2000 wird Rekordjahr für österreichische Börse-Emissionen

20. Jänner 2000, 16:16

Aktionärsanteil sollte sich im Sog der Telekom Austria-Emission auf rund zehn Prozent verdoppeln

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Wien - Rund 30 österreichische Unternehmen dürften im laufenden Jahr 2000 den Gang an die Börse unternehmen, allerdings nicht überwiegend in Österreich, sondern auch an ausländischen Märkten. Zu erwarten sei ein gesamtes Emissionsvolumen in der Dimension von 50 Mrd. S (3,6 Mrd. Euro) oder darüber, je nach Zeitpunkt und Ausmaß des Börsegangs der Telekom Austria. Das ist der höchste jemals Wert, unterstrich der Leiter des Investmentbankings in der Raiffeisen Zentralbank, Gerhard Grund, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Der bisherige Rekordwert beim Emissionsvolumen lag Anfang der neunziger Jahre bei gut 25 Mrd. S (1,8 Mrd. Euro). Im Vorjahr brachten 15 Austro-Unternehmen Emissionen an die Börse, davon gerade ein Drittel in Österreich. Im Volumen übertrafen die Emissionen in Wien 513,8 Mill. Euro) die Emissionen an den Börsen Frankfurt (Neuer Markt, SMAX) und Brüssel (Easdaq). Miteingerechnet in diese Angaben sind auch drei Kapitalerhöhungen (AUA, RHI, Pankl). Gemeinsam brachten sie ein Emissionsvolumen von gut 14 Mrd. S oder 1,022 Mrd. Euro auf die Waage. Die größten "Brocken" waren die Kapitalerhöhungen bei AUA (178 Mill. Euro) und RHI (163,8 Mill. Euro) sowie die IPO (Initial Public Offering/Börsegang) von Beko (111,6 Mill. Euro) und Plaut (92,4 Mill. Euro).

Neuer Markt übt Magnetwirkung auf heimische Unternehmen aus

Vor allem der Neue Markt in Frankfurt übe nach wie vor eine Magnetwirkung auf heimische Unternehmen aus, analysierte Grund. In den Startlöchern scharren vor allem Wachstumswerte der Bereiche Informationstechnologie und Neue Medien. Bei "mindestens zehn" Firmen will die RZB den Börsegang federführend betreuen, als Mitbetreuer will man auch bei allen anderen Emissionen beteiligt sein.

Man werde versuchen, möglichst viele dieser Unternehmen zu einer Notiz am Wiener Markt zu bewegen, versicherten die RBZ-Banker. Wünsche der Emittenten seien jedoch zu berücksichtigen, so Grund. Überdies seien ausländische Banken in dieser Sache "sehr aktiv" in Österreich.

Börsegang der Telekom Austria soll Aktionärsanteil heben

Einen Quantensprung werde der für dieses oder nächstes Jahr erwartete Börsegang der Telekom Austria darstellen. Noch steht das Emissionsvolumen nicht fest, Schätzungen über 25 Mrd. S (1,8 Mrd. Euro) lägen aber sicher nicht zu hoch, so Grund. Verlaufe dieser größte Börsegang der österreichischen Geschichte auch nur annähernd nach dem Muster der Deutschen Telekom, dann sollte sich die - notorisch geringe Anzahl österreichischer Aktionäre auf rund 10 Prozent verdoppeln. Solche Entwicklungen könnten sprunghaft erfolgen, in Umfragen hätten 30 Prozent der Bevölkerung Interesse am Erwerb von Telekom-Aktien gezeigt.

Der genaue Zeitpunkt für die Telekom-Emission steht noch nicht fest, er muss laut Gesetz aber bis Ende 2000 erfolgen. Erfahrungsgemäß seien Emissionen im Herbst erfolgreicher gewesen als in anderen Jahreszeiten, so die RZB-Experten.

ATX zum Jahresende um 15 Prozent höher

Die Telekom-Emission dürfte den Wiener Aktienmarkt beflügeln, ebenso die Rahmenbedingungen im In- und Ausland. Zur Jahresmitte sieht die Chefin der Aktienanalyse, Birgit Kuras, den Wiener Börseindex ATX bei 1.200 Zählern, zum Jahresende bei 1.350 (Bandbreite: 1.200 bis 1.450) Punkten. Gegenüber dem aktuellen Stand von 1.169,67 bedeutet das ein Plus von 15,4 Prozent. Weitere Prognosen für den ATX: Ende März bei 1.280 (1.120-1.300), Halbjahr: 1.200 (1.120-1.320), September: 1.220 (1.150-1.350) Einheiten. (APA)

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