Die "Nuller" werden Jahrzehnt der Aktie

20. Jänner 2000, 16:10

RZB sieht ATX 2009 bei 3000 Punkten. Als Top-Tipps empfehlen die Experten der Raiffeissen Zentralbank Austria Tabak, Böhler und Mayr-Melnhof

Wien - Die kommenden zehn Jahre werden wie die beiden Dekaden davor erneut ein "Jahrzehnt der Aktie", sind die Experten der Raiffeisen Zentralbank (RZB) überzeugt. Am Ende der Entwicklung werde im Dezember 2009 der US-Börseindex Dow Jones um 30.000 Punkte pendeln, gegenüber dem Vortages-Schluss ein Plus von 161 Prozent. Beinahe verdreifachen sollten sich der EuroStoxx auf 12.000 (4.768) Punkte und der deutsche Dax auf 18.000 (7.091) Zähler. In Analogie würde das für den Wiener ATX einen Anstieg auf 3.000 (aktuell: 1.171) Punkte bedeuten.

"Ausgezeichnete Rahmenbedingungen"

RZB-Chefanalyst Peter Brezinschek erwartet auch nach den "fahnenstangenartigen Kursexplosionen" für die kommenden Jahre keinen Paradigmenwechsel: Bei einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum zwischen 2,5 und 3,0 Prozent und einer historisch niedrigen Inflationsrate herrschen "ausgezeichnete Rahmenbedingungen", sagte Brezinschek bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

"Performance-Charts des Jahres 2000 gleichen Wäscheleinen"

Kurzfristig sei allerdings Vorsicht angebracht: Der Zinstrend hat seinen Gipfel noch nicht erreicht, die Gewinnerwartungen sind hoch. Überhaupt werden die Perfomance-Charts des Jahres 2000 Wäscheleinen gleichen, die auch in der Mitte durchhängen. Nach erwarteten Rückschlägen zwischen 10 und 15 Prozent werde der Dow Jones das Jahr 2000 bei 12.800 (Rückschlag bis auf 10.600) Punkten beenden, der Dax werde bei 7.300 (6.200) Zählern schließen, der EuroStoxx mit 5.300 (4.400).

Wiener Markt unterbewertet

Dem Wiener Aktienmarkt bescheinigte Österreich-Analystin Birgit Kuras einmal mehr eine relative Unterbewertung mit Abschlägen zwischen 40 und 55 Prozent. Gründe waren das schwächere Gewinnwachstum heimischer Unternehmen in der Vergangenheit und die relativ geringe Marktkapitalisierung. Für die Zukunft gibt Kuras "einmal mehr die Hoffnung nicht auf". Wien sei ein Musterschüler, der seine Leistung nicht vermitteln könne und der den Bullenmarkt im vierten Quartal "nicht einmal ignoriert" habe. Die zunehmende Orientierung auf Branchen statt auf Länder habe den vergleichsweise kleinen österreichischen Titeln keinen guten Dienst erwiesen, da sich internationale Anleger in erster Linie auf die großen Werte konzentrierten.

Branchenrotation unterstützt Wiener Börse

Die erwartete Branchenrotation weg von Technologie- und Telekom-Werten zu konjunktursensitiven Bereichen werde Wien unterstützen. Kuras setzt auf Zykliker der Bereiche Papier und Stahl, außerdem stehen die Zeichen für Finanztitel gut. Die Top- Empfehlungen für Einzelwerte lauten auf Austria Tabak, Böhler-Uddeholm und Mayr-Melnhof Karton, zum Kauf eigneten sich auch VA Stahl und Bank Austria. (APA)

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