"Provokation für alle Autofahrer"

20. Jänner 2000, 14:06

Auto-Klubs lehnen MÖSt-Erhöhung ab: ÖAMTC: Benzin drei Schilling teurer - ARBÖ lehnt "Abkassieren unter Öko-Deckmantel" ab - VCÖ dafür

Wien - Auf scharfe Kritik der Autofahrerklubs ARBÖ und ÖAMTC stoßen die Pläne von SPÖ und ÖVP, bei einer Neuauflage der großen Koalition die Mineralölsteuer (MÖSt) in den kommenden Jahren kräftig anzuheben. Der ÖAMTC befürchtet, dass Benzin um bis zu drei Schilling (0,218 Euro) je Liter teurer werden könnte und spricht von einer "Provokation für alle Autofahrer". Der ARBÖ lehnt ein "Abkassieren unter dem Deckmantel der Ökologie" ab und meint, die neue Regierung wolle offenbar im Windschatten der deutschen Öko-Steuerreform segeln. Als "erster Schritt in die richtige Richtung" begrüßt werden die MÖSt-Pläne dagegen vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

ARBÖ: "Weiteres Abkassieren unzumutbar"

Für den ARBÖ ist "ein weiteres Abkassieren bei den Kraftfahrern unzumutbar", da von den jährlich 35 Mrd. S (2,54 Mrd. Euro) MÖSt plus 6 Mrd. S Einnahmen aus Mautvignette und anderen Straßenmauten von der Regierung ohnedies nicht einmal 20 Mrd. S für den Straßenbau verwendet würden. Die Koalitionsverhandler hätten deutlich gemacht, dass ihnen "in guter alter Tradition" neue Steuern und Abgaben in Milliardenhöhe sofort einfallen würden, kritisiert der ARBÖ.

ÖAMTC: "Regierungsprogramm ist reines Belastungspaket für Autofahrer

Aus Sicht des ÖAMTC ist das neue Regierungsprogramm "ein reines Belastungspaket für alle Autofahrer". Der Plan, die heimische MÖSt an deutsches Niveau anzupassen, bedeute, dass Benzin um bis zu 3 S/l teurer werde, da auch auf die MÖSt noch 20 Prozent Mehrwertsteuer kommen. Damit würden 15 S je Liter Benzin Realität werden - eine Mehrbelastung von durchschnittlich 7.000 S im Jahr für einen Pendler. Auch die neue Regierung wolle also entgegen allen Versprechen vor der Wahl tief in die Taschen der Autofahrer greifen", zeigte sich am Donnerstag ÖAMTC-Generalsekretär Hans Peter Halouska verärgert.

VCÖ: "Lamentieren der Autolobby ist Zeichen der Realitätsverweigerung"

Für den VCÖ dagegen ist "das Lamentieren der Autolobby" angesichts des Preisniveaus im Ausland und den nötigen ökologischen Reparaturen "ein Zeichen von Realitätsverweigerung". In den vergangenen Monaten habe sich Österreich zum "Eldorado für Tanktouristen" entwickelt - und ein Blick über die Grenze zeige, warum: Der Liter Super 95 koste in Österreich 11,95 S, in Deutschland umgerechnet 13,54 S und in Italien 13,89 S. Auch Diesel gebe es hierzulande zum Okkasionspreis: In Deutschland seien 10,85 S zu bezahlen, in Italien 11,67 S, in Österreich aber nur 10,08 S. Die schon überfällige MÖSt-Erhöhung sei daher ein Schritt in Richtung Kostenwahrheit im Verkehr, so der VCÖ. (APA)

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