Zweifel am Ende der Euro-Hausse

9. Dezember 2003, 09:41
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An einer Entspannung für den zum Dollar teuren Euro wird gezweifelt. Nach guten US-Daten könnten bald Zinsängste die Aktienbörsen treffen

Wien - Gold ist mit über 400 Dollar je Unze so teuer wie seit sieben Jahren nicht mehr. Goldmünzensammler sollte das eigentlich reicher machen. Allerdings kaum, wenn sie im Euroraum sitzen.

Denn während Gold heuer um 15 Prozent gestiegen ist, hat der Euro 14 Prozent zu gelegt. Für den Wert eines Philharmonikers heißt das heuer: pari. Da der Euro im Vergleich zum Dollar binnen drei Jahren um 50 Prozent gestiegen ist, fraß das auch den europäischen Goldfonds die Hälfte der möglichen Gewinne.

Starker Euro - schwacher Ölpreis

Vorteilhafter für Europäer ist das neue Hoch ihrer Währung beim Öl: 33 Dollar je Barrel sind für europäische Ölkonzerne mit dem teuren Euro nur mehr 27 Dollar je Barrel. Auch ein Autohändler, der in den USA kauft, muss den Amerikanern weniger auf den Tisch legen. Was bei den Importen und bei Reisen in die USA erfreut, belastet die Exporteure - für Produkte mit Europreis müssen mehr Dollar bezahlt werden.

Wie geht's weiter? Ökonomen und Analysten sind nicht nur bezüglich ihrer Prognosen, sondern auch bei den Erklärungsmustern uneins. Für den rasanten Fall des Dollars in der vergangenen Woche werden Sorgen über einen eskalierenden Handelsstreit wegen des temporären Importverbotes der USA gegen chinesische Textilien und neu aufgeflammte Terrorängste genannt.

Während die einen meinen, Gold steige, weil es als sicherer Hafen angesehen werde, sehen die anderen dahinter eine Nachfragedynamik, die den gesamten Rohstoffsektor betreffe. "Allein China hat 20 Prozent Einfluss auf die weltweite Nachfrage nach allen Rohstoffen", sagt etwa Alfred Grusch, Manager des Goldfonds der Capitalinvest. Am anhaltenden Anstieg der Edelmetall- und Rohstoffpreise zweifelt er nicht.

US-Defizit drückt Dollar

"Der Dollar wird so lange fallen, bis das US-Defizit bereinigt ist", lautet die Währungsprognose des deutschen Rohstoffexperten Uwe Bergold. Auch die deutsche Industrie sieht kein Ende des Euroanstiegs und bezeichnete am Mittwoch die "Schmerzgrenze" als überschritten.

Analysten, die auf die Aktienmärkte schauen, üben sich dagegen in Optimismus. Nach der rund sieben Monate jungen Rallye, die dem Dax 65 Prozent und dem gesamteuropäischen Euro Stoxx50 38 Prozent beschert hat sowie die US-Börsen auf 17-Monatshochs getrieben hat, erfolge derzeit lediglich eine Korrektur.

Weiter gute US-Arbeitsmarktdaten

Mit den Anfang Dezember erwarteten weiteren guten US-Arbeitsmarktdaten erhielten die Märkte wieder ihre Stütze, heißt es etwa in der Raiffeisen Zentralbank so wie bei internationalen Analysehäusern.

Wann die Freude über die gute US-Konjunktur endgültig den Ängsten über eine baldige Zinserhöhung weichen, die hohen Kredite der US-Bürger damit schmerzlich verteuern und die Aktien nach unten schicken könnte - auch darüber herrscht Uneinigkeit.

Während die Analysten der Erste Bank Zinsschritte in den USA und in Europa schon Mitte 2004 sehen, glauben große US-Häuser wie Goldman Sachs, dass vor den US-Präsidentenwahlen die Zinszügel nicht gestrafft würden. (DER STANDARD Printausgabe, 20.11.2003, Karin Bauer)

  • Der Euro auf seiner Rekordschaufel
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    Der Euro auf seiner Rekordschaufel

  • Anhaltende Rallye beim Gold
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