Steirischer Sonnenschein

1. Dezember 2003, 16:14
posten

Zum Nulltarif wird es das alles nicht geben können - von Christoph Winder

Die Art, wie Arnold Schwarzenegger sein Entree in den kalifornischen Gouverneurspalast anlegt, hat etwas fast schon rührend Optimistisches an sich. Da mögen sich die verfeindeten Fraktionen in Sacramento noch so sehr in den Haaren liegen: Arnie wird nicht müde, so zu tun, als gäbe es keine objektiven Interessengegensätze zwischen Republikanern und Demokraten. Mit dem Appell an den Gemeinschaftssinn setzt er gekonnt beide gleichermaßen moralisch unter Druck.

Arnies kommunitaristische Botschaft mag zwar im Gegensatz zur Message vieler seiner Filme stehen, die da lautet, dass man dem bösen Feind nichts schenken, sondern ihm möglichst schnell die Fresse polieren sollte. Aber sie trifft sich mit der Überzeugung einer breiten kalifornischen Mehrheit, die der ideologischen Katzbalgereien in der Politik überdrüssig ist und sich nichts sehnlicher wünscht als eine effiziente Sanierung von Standort und Staatsfinanzen. Allein: Wie das nun im Detail funktionieren sollte, bleibt heftig umstritten und, in der Welt jenseits der bloßen Polit-Rhetorik, hoch problematisch. Mit der Reduktion der unpopulären Kfz-Steuer hat der neue Gouverneur zwar sogleich dem Wunsch der Steuerzahler entsprochen. Aber dieser Wunsch beißt sich wieder unversöhnlich mit dem Begehren, eine aparte Infrastruktur und ein gepflegtes Bildungswesen zu haben: Zum Nulltarif - sprich: ohne entsprechende Steuerlast - wird es das alles nicht geben können.

Obwohl Arnie, der in seinem Wahlkampf mit Versprechungen nicht gegeizt hat, also eine Aufgabe lösen muss, die der Quadratur des Kreises durchaus vergleichbar ist, sollte man doch auch die Kraft seines offensiv vorgetragenen Optimismus nicht unterschätzen. Wenn es unserem steirischen Sonnenschein tatsächlich gelingen sollte, die trübe kalifornische Stimmung dauerhaft aufzuhellen, wäre dies eine Ehrenrettung des politischen Dilettantismus, die jedem Profi zu denken geben müsste. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.11.2003)

Share if you care.