Update der Roten Liste

5. Dezember 2003, 22:33
2 Postings

Albatros und Seetang, Delfin, Riesenwels und Klammeraffe - im Jahr 2003 gelten über 12.000 Tier- und Pflanzenarten als bedroht

Gland - Weltweit sind mehr als 12.000 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. 762 Arten gelten als ausgestorben, weitere 58 gibt es nur noch als Kulturpflanzen oder Tiere in Gefangenschaft. Das berichtete die Weltnaturschutzunion (IUCN) am Dienstag bei der Vorstellung der Roten Liste 2003 in Gland in der Schweiz.

Der Mensch sei zwar die größte Bedrohung für die Lebewesen, er könne aber auch helfen, sie zu erhalten, sagte IUCN-Generaldirektor Achim Steiner. Er verwies unter anderem auf die erfolgreiche Vermehrung der Arabischen Oryxantilope oder des Weißen Nashorns. Insgesamt seien 2.000 Arten zur Roten Liste dazu gekommen, allerdings in verschiedenen Gefährdungsstufen.

Seetangarten und Flechten

Dieses Jahr seien erstmals Seetangarten und Flechten aufgenommen worden. Alle 21 Albatrossarten stehen nun auf der Roten Liste. Eine der Hauptursachen für die Bedrohung dieser Vögel seien die Schleppnetz- und die Langleinenfischerei. Die viele Kilometer langen Leinen sind mit tausenden von Ködern besetzt. Die Tiere können sie verschlucken und ertrinken dann.

Die Population einer im Mittelmeer lebenden Unterart des Delfins (Delphinus delphis) sei in den vergangenen 30 bis 40 Jahren um mehr als die Hälfte reduziert worden. Gründe seien der kommerzielle Fang der Nahrungsfische und die Zerstörung des Ökosystems.

Riesenwels und Klammeraffe

Stark gefährdete Tierarten sind laut IUCN der bis zu drei Meter lange Riesenwels Pangasianodon gigas, den es nur im Mekongdelta gebe, oder eine Klammeraffenart, die nur in Kolumbien und Venezuela lebe.

Eine besonders ernste Bedrohung stellt laut IUCN das Eindringen fremder Tiere und Pflanzen auf das einzigartige Ökosystem von Inseln wie Hawaii oder den Seychellen dar. So haben in Hawaii Weidetiere, die im späten 18. Jahrhundert auf die Insel gebracht wurden, nach Einschätzung der IUCN-Experten massive Schäden angerichtet. Die zum Teil einzigartigen Pflanzen werden aber auch durch anderes Saatgut und ebenfalls eingeschleppte Insekten dezimiert. Hinzu kommt der Ausbau der Infrastruktur durch den Menschen. Von den 125 auf Hawaii einzigartigen Pflanzenarten gelten auf der neuen Liste 85 als bedroht.

Die Galapagos-Schlangen

Ähnlich sieht es auf den Galapagos-Inseln aus. 49 Schlangenarten stehen auf der Liste, aber manche von ihnen sind vielleicht schon ausgerottet, vermutet die Organisation. "Die Rote Liste lehrt uns, dass menschliches Handeln in Ausrottung umschlägt, die diese Inseln ökologisch und ästhetisch veröden lässt", sagte Steiner.

Die Rote Liste sei ein Weckruf, sagte IUCN-Mitglied Craig Hilton-Taylor. Er verwies auf das Ziel des Weltgipfels von Johannesburg 2002, das Artensterben bis 2010 deutlich zu bremsen. Die Organisation unterhält ein Netzwerk von 7000 Experten. Ihr sind 75 Staaten und 750 Umweltorganisationen angeschlossen. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein zwei Wochen altes und etwa zehn Zentimeter große Pinselohräffchen. Der Däumling gehört zur Familie der Klammeraffen und ist in den Urwäldern Südamerikas beheimatet.

Share if you care.