Grasser will Forscher anlocken

16. Jänner 2004, 20:50
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Steuerzuckerln für Wissenschafter aus dem Ausland geplant

Wien - Je intensiver die Arbeiten zur angekündigten Steuerreform 2005 werden, desto mehr Details sickern durch. Ein bisher der Öffentlichkeit vorenthaltener Plan sieht vor, im Ausland tätigen Forschern, aber auch Spitzenmanagern künftig gewisse Steuererleichterungen zu gewähren, um sie zur Übersiedlung nach Österreich und zur Arbeit im Land zu bewegen.

Die Wirtschaft begrüßt derartige Steueranreize im Vergleich zum bisher kaum funktionierenden Kontingentsystem für ausländische Schlüsselkräfte. Die Arbeiterkammer ist hingegen überaus skeptisch und spricht von einem "Tropfen auf den heißen Stein".

Ausgearbeitet wird derzeit im Finanzministerium ein Modell zur steuerlichen Absetzbarkeit von Kosten, die für nach Österreich kommende Spitzenkräfte anfallen. Dabei geht es beispielsweise um die Umzugskosten oder die Aufwendungen für die Ausbildung der Kinder. Auch von der Absetzbarkeit der Kosten für Haushaltshilfen ist die Rede. Definiert nach genauen Qualifikationskriterien und Tätigkeitsbeschreibungen sollen Forscher und Manager zu diesen Steuervorteilen kommen. Eine bestimmte Einkommensgrenze soll dabei nicht eingezogen werden. Wie aus dem Wirtschaftsministerium ergänzend verlautet, sei auch daran gedacht, mitkommenden Ehepartnern eine sofortige Arbeitserlaubnis zu erteilen.

Wettbewerb um die "besten Köpfe"

Insgesamt soll ein attraktives Paket herauskommen, um im internationalen Wettbewerb um die "besten Köpfe" punkten zu können, heißt es aus dem Beraterkreis des Finanzministers. "Man muss diesen Leuten etwas bieten. Es geht dabei auch um die Absicherung der Headquarter", sagte Budget- und Steuerexperte Gerhard Lehner, bis vor kurzem am Wirtschaftsforschungsinstitut beschäftigt. "Es ist ziemlich klar, dass da etwas kommt. Was genau, wird in den nächsten drei, vier Wochen fixiert."

Nach der bisherigen Kontingentregelung dürfen Schlüsselkräfte samt Familienangehörigen außerhalb der Zuwanderungsquote nach Österreich, wenn sie bestimmte nachgefragte Qualifikationen nachweisen können und der monatliche Bruttolohn 2016 Euro übersteigt. Das in diesem Jahr geltende Kontingent für unselbständige Schlüsselkräfte von 2185 Personen nutzten jedoch nur 780 Fachkräfte (plus 313 Familienangehörige). Wer ins Land kommt, erhält eine einjährige Arbeitserlaubnis.

Wie Josef Wallner, Sozialexperte der Arbeiterkammer, erklärt, funktioniert dieses System deshalb nicht, weil die Einkommensgrenze praxisfern sei. "Echte" Spitzenkräfte, die ein Vielfaches der 2000 Euro verdienten, würden nicht nach Österreich, sondern an attraktivere Forschungsstandorte - vor allem in den USA - gehen. Und ebenfalls unter den Schlüsselkräftebegriff fallende Fachkräfte, wie etwa Krankenpflegepersonal, würden vom Verdienst her häufig unter der Einkommensgrenze liegen. Wallner: "Am schlechten Ruf des heimischen Forschungsstandortes ändert es sicher nichts, wenn man in kleingeistiger Greißlermentalität glaubt, Forscher aus dem Ausland mit ein paar Euro mehr nach Österreich locken zu können."

Reinhold Mitterlehner, stellvertretender Generalsekretär in der Wirtschaftskammer, ist optimistischer. Auch andere EU-Länder, wie etwa Frankreich, hätten mit Steueranreizen gute Erfahrungen gemacht. "Ein steuerliches Anreizmodell ist sicher gescheiter als das bürokratische Kontingentsystem." (Michael Bachner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 11. 2003)

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