Macht nicht nur Kinder froh

5. Dezember 2003, 23:00
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Test: Gummibären und ihre bunten Verwandten in Fruchtgummi-Form üben eine zeitlos große Anziehungskraft auf Junge und Alte, Große und Kleine aus

Trotzig verschränkte Kinderärmchen und große Augen, die vermitteln, dass wir es heute auf einen Kampf ankommen lassen. Gummibärchen! Bitte! Dabei sind wir noch nicht einmal an der Kasse, dem Wunderland der Verführungen auf Kinderaugenhöhe, angekommen. Gummibärchen. Nach wenigen Minuten muss ich erkennen, dass Diskussionen sinnlos sind. Natürlich sind Karotten und Äpfel gesünder. Natürlich soll man nicht so viel Süßigkeiten essen. Und natürlich, wenn schon Süßigkeiten, dann aus dem Bioladen. Argumente, die wie Seifenblasen in der Dudelmusik des Supermarktes davonfliegen. Gummibären, die da! Ich gebe auf.

Aber jetzt will ich es genau wissen: Welche sind die Favoriten, wenn im Vergleich verkostet wird? Welche der putzigen, fröhlich-bunten Gelatineüberraschungen kann überzeugen, wenn die Verpackung weg ist? Das ist die Rache der Erwachsenen: Wir kaufen alle Sorten und die Kinder werden zum Bärchentest verdonnert. Jawohl!

Die Kriterien:

Weil Gummibären ja angeblich auch Erwachsene froh machen, durften natürlich auch die Großen am klebrigen Test teilnehmen. Die Bewertung wurde kinderleicht angelegt: Die einzelnen Sorten wurden nach Aussehen (A) und Geschmack (G) gereiht - der Beste bekam sechs Punkte, der Schlechteste einen - die Erwachsenen ordneten zudem nach Preis-Leistungs-Verhältnis (P) und stellten fest, wie es um die Inhaltsstoffe der Süßigkeiten bestellt ist. Getestet wurden sechs Sorten Gummibärchen und Ähnliches, nicht im Test berücksichtigt wurden die weichen Jogurtfruchtgummis und ihre Verwandten.

Die Ergebnisse:

Die Sieger:
"Lach Gummi" von Nimm 2 gesehen um € 1,49 für 250 g.
Die viel beworbenen Lachgummis wurden natürlich sofort erkannt und für ihr buntes, ansprechendes Aussehen von drei Testern auf Platz 1 gereiht, beim Geschmack von vier Testern auf Platz 2. Eindeutig auch die Aussagen unserer Tester: "Die mag ich, das sind die Schönsten", so der erfreute Ausruf der jüngsten Testerin. Die Erwachsenen waren vom Glanz der Fruchtgummis beeindruckt und davon, dass sie "wirklich an Fruchtsalat erinnern und auch obstig schmecken". Wenn man sich die lange Liste der Inhaltsstoffe durchliest und Naturapostel ist, ist man zuerst schockiert - neben Fruchtsaft und konzentrierten Fruchtextrakten werden uns hier noch Niacinamid, Alpha-Tocopherolacetat und vieles mehr verkauft. Die unaussprechlichen Inhaltsstoffe erweisen sich allerdings nach ausführlicher Recherche im Internet als Vitamine. Gelatine und nicht näher definiertes "Aroma" bekommt man mit den Fruchtgummis allerdings auch serviert.
A: 27, G: 26, P: 4.
Gesamt: 57.

"Goldbären" von Haribo, gesehen um € 0,99 für 200 g.
"Das sind die Echten", erklärten die Erwachsenen wie aus einem Munde. Goldbären sind nun einmal nicht zu verkennen, was aber nicht bedeutet, dass sie deshalb am besten gefallen: Nur einmal einen ersten sowie einen zweiten Platz gab es fürs Aussehen. Etwas zu künstlich würden sie im Vergleich zu den zarten Biobären aussehen, meinte Pamela. Aber das ist Erwachsenen-Meinung, den Kindern konnte es nicht bunt genug sein. Sie gaben den Goldbären außerdem auch zweimal Gold für den Geschmack, der laut Packung durch "natürliche und naturidente Aromastoffe" zustande kommt. Die von den Kindern so geliebten bunten Farben erhalten wir durch "färbende Auszüge aus Früchten und Pflanzen", Gelatine darf auch nicht fehlen.
A: 22, G: 23, P: 6. Gesamt: 51.

Das Mittelfeld:
"Mr. Fritt Frucht Gums" von Fritt, gesehen um € 1,09 für 200 g.
Bezüglich des Aussehens kam es bei den Frucht Gums zu wirklichen Diskussionen: während Fredi, der kleine Mann in unserer Runde, die gelbroten Gummimännchen "einfach super" fand, verzogen die Mädchen angewidert den Mund. Auch beim Geschmack war sich das Testerteam nie uneiniger, einmal Platz eins - "Super!", einmal der letzte Platz - "die schmecken billig". Wie auch die Goldbären kommen die Frucht Gums durch "Auszüge aus Früchten und Pflanzen" zu ihrer Farbe, Aroma und Gelatine sind ebenfalls enthalten. Übrigens: die Figuren stellen Fußballspieler, Gitarrespieler und Skateboarder dar ...
A: 17, G: 18, P: 5.
Gesamt: 40.

"Frucht-Kaugis" von Katjes, gesehen um € 0,99 für 200 g.
"Die sollen so aussehen wie die Fruchtgummis, sind aber so matt, das ist irgendwie öd", meinte unsere kritischste Testerin. Der Grund dafür dürfte sein, dass außer Fruchtpüree und Fruchtsaft keine weiteren Farbstoffe beigegeben sind. Geschmacklich lagen die Frucht-Kaugis ganz klar im Mittelfeld: dreimal dritter Platz für die bunten Früchte, die laut Packungsangabe ohne Fett auskommen, nicht aber ohne die üblichen Aromen und Gelatine. Eine Testerin ortete gar einen "leicht verbrauchten Geschmack". Preislich liegen die Frucht-Kaugis zusammen mit den Goldbären an erster Stelle.
A: 16, G: 17, P: 6.
Gesamt: 39.

"Bio Gute Laune Bärchen" von Sonnentor, gesehen um € 1,80 für 100 g.
"Kleine, zarte Bären", meinte Carola verklärt und wurde von ihren Kindern zurechtgewiesen: "Das sind die Biobären, wir haben sie gleich erkannt!" Zwei von drei Kindern verweigerten das Kosten - immerhin kennen sie die Biobären bereits von ihrer Biotante. Mit Mühe konnten sie dann doch überredet werden, denn immerhin gab es zwei Biosorten zur Auswahl. Wundersames Ergebnis: Den Kindern waren die Bären nicht süß genug, den Erwachsenen fast eine Spur zu süß. Doch auch im Erwachsenenlager herrschte Uneinigkeit, und zwar bezüglich der "Durchbeißmöglichkeit" der absolut nicht zähen Bären. "Herrlich", meinte Pamela, "Man darf nicht einfach durchbeißen können, der Geschmack darf erst durchs Kauen durchkommen", entgegnete Carola. Großes Lob bezüglich der Inhaltsstoffe: Es ist natürlich alles natürlich, keine extra "Aromen" und, für Veganer ausschlaggebend: keine Gelatine.
A: 17, G: 12, P: 3.
Gesamt: 32.

Der Schlussbär:
"Frucht-Bärli" von Bretti's Naturkost, gesehen um € 1,80 für 100 g.
Ihr klobiges Aussehen war wohl ausschlaggebend für die schlechte Platzierung: Die großen, dicken, gelben Fruchtbären wurden von vier Testern auf den letzten Platz gereiht. Auch mit ihrem Geschmack konnten die Biobären nicht überzeugen: Ein dritter Platz war das beste Ergebnis in der Wertung, und das, obwohl die Bären genauso zäh sind, wie sie laut Analyse sein sollen ... Es half nicht einmal, dass sie "auch nach Obst schmecken", selbst die kleine Lisa-Marie, die sonst so gerecht ist, verzog böse das Gesicht: "Nein." Und das, obwohl das Bioprodukt mit "natürlichen Aromen" und Gelatine aufwarten kann.
A: 6, G: 9, P: 3.
Gesamt: 18.

Das Resümee:

Für die Kleinen ist es wichtig, dass die süßen Sachen farbenfroh und vor allem wirklich süß sind. Was den Knirpsen zu wenig süß ist, ist Erwachsenen oft schon zu süß, was diesen gefällt, weil es wenig künstlich aussieht, ist den Kindern oft zu fad. Ich habe darum beschlossen, die Kleinen von nun an nicht mehr mit den Biobären zu nerven. Die esse ich einfach selber. Mit Genuss.

Die Autorin hat drei Nichten und Neffen und kennt die Sorgen der elterlichen Anti-Süßigkeiten-Kampagnen nur vom Zusehen. (DER STANARD, printausgabe vom 15./16.11.2003)

*) Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.

Romana Hasenöhrl hat sich bemüht herauszufinden, welche die Besten sind.
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