Kino-Osterweiterung

19. Juli 2004, 15:02
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"EU XXL film": Filmschau und Symposium zum Film aus den künftigen EU-Ländern - Mit Infografik zur Filmlandschaft Europa

Eine Woche lang heißt es im Wiener Metro-Kino "EU XXL film": Eine Filmschau präsentiert neue Produktionen aus den künftigen EU-Ländern, ein Symposium sucht nach Kooperationsstrategien für ein regionales Kino.


Wien - Ein Schiff schaukelt in den Wellen. Das Meer ist jedoch quadratisch und das Vehikel ferngesteuert, wie eine spätere Einstellung zeigt. 66 sezón/66 Seasons, ein Dokumentarfilm des Slowaken Peter Kerekes, treibt ein Verwirrspiel: Nicht alles, was dokumentarisch aussieht, ist es auch. Es geht um das traditionsreiche städtische Freibad im slowakischen Kosice, ein Habitat, in dem die wechselhafte Geschichte der Region Gestalt annimmt.

Ältere Besucher (u.a. die Großmutter des Regisseurs) werden nicht nur interviewt, ihre Erinnerungen werden auch nachgestellt: Da kann schon einmal Hitler ein paar Längen ziehen. 66 sezón umgeht die üblichen Strategien der Geschichtsaufarbeitung, verschränkt augenzwinkernd, mitunter auch recht beliebig, unterschiedlichste Themen wie Freizeitkultur, historische Zeugenschaft oder die Funktionsweise des Bads.

Als Eröffnungsfilm für die Filmreihe EU XXL film ist Kerekes' Arbeit thematisch und durch ihren ungewöhnlichen dokumentarischen Ansatz signifikant: Von 20. bis 27. 11. werden, initiiert von der grünen EU-Abgeordneten Mercedes Echerer, im Wiener Metro-Kino Kurz-, Dokumentar- und Spielfilme aus den kommenden EU-Ländern präsentiert.

Der Schwerpunkt des heterogenen Programms liegt auf Filmen, die sich mit der regionalen soziopolitischen Situation beschäftigen: Drazen Staders Kurzfilm V Tranzitu/In Transit zeigt etwa eindringlich die Lebensbedingungen in einem Flüchtlingsheim in Ljubljana; Afta/Day After Day des Ungarn Kornél Mundruczó beobachtet eine Gruppe Jugendlicher in den Ferien dabei, wie deren Ennui in Gewalt umschlägt.

Parallel zur Reihe wird das Forum Das Neue Europa - Neue Chancen für die Filmindustrie (21. bis 23. 11.) abgehalten, in dem Filmschaffende des deutschsprachigen Raums wie aus den EU-Beitrittsländern mögliche Kooperationen ausloten. Gesucht werden wirtschaftliche Synergien für ein Kino, das nationale Eigenheiten zu bewahren vermag. (DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.11.2003)

Von Dominik Kamalzadeh
  • Ein Dokumentarfilmemacher und ein Folksänger auf Tournee: Petr Zelenkas "Fake Road Rockumentary" "Rok d'ábla/Year Of The Devil".
    foto: afterimage

    Ein Dokumentarfilmemacher und ein Folksänger auf Tournee: Petr Zelenkas "Fake Road Rockumentary" "Rok d'ábla/Year Of The Devil".

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    grafi: derstandard/quelle: europainfo.at

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