Junge geraten unter Druck

7. Juli 2005, 15:46
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Die Senioren werden das Sagen haben - politisch und wirtschaftlich

So viele junge Leute wie in diesem Jahrzehnt wird es so bald nicht mehr geben: Zwar wächst die Zahl der 14 bis 17-Jährigen bis zum Jahr 2008 noch leicht (von 379.000 im Jahr 2001 auf dann 394.000) - aber schon 2020 wird diese Gruppe der Jugendlichen wieder auf 331.000 (minus 16 Prozent) geschrumpft sein. Im Jahr 2050 werden gar nur mehr 285.000 Jugendliche in Österreich leben.

Woher man das weiß? Die jüngste Bevölkerungsprognose der Statistik Austria kann sich zu einem großen Teil auf die Daten von bereits lebenden Menschen stützen: Die Kinder, die heuer geboren worden sind, werden eben im Jahr 2020 im typischen Jugendlichen-Alter sein. Und: Heuer sind weniger Kinder geboren worden als im Vorjahr - in den ersten neun Monaten gab es einen Geburtenrückgang um 1,2 Prozent.

Wenn es nicht eine starke (und aus heutiger Sicht überraschende) Zuwanderungswelle gibt, dann wird es im Jahr 2020 nur rund 75.000 17-Jährige geben. Und weil ja zumindest die potenziellen Mütter schon geboren sind, lässt sich auch mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Zahl der jungen Leute auch in Zukunft nicht steigen wird.

Das hat drastische Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben - Folgen, die weit über die in den letzten Jahren diskutierten Probleme der Pensionsversicherung hinausgehen, sagt Werner Beutelmeyer vom Linzer

market-Institut: "Da entsteht eine undynamische, feige, alte Gesellschaft - im ,Altersheim Österreich' werden die Jungen von den Alten allein mengenmäßig niedergedrückt."

Weil die demographische Macht sich noch stärker in der demokratischen Macht (alle Senioren dürfen wählen, Jugendliche aber erst ab 18) niederschlägt, könnten die Senioren die Anliegen der Jugend in Wahlen niederstimmen. 2015 wird jeder vierte Österreicher über 60 sein, 2050 werden es 36 Prozent sein.

Das bedeutet nach Beutelmeyers Analyse nicht nur eine politische Verschiebung - die Politiker werden auf Pensionisten hören. Auch das Wirtschaften wird sich ändern: "Da gehen Mut und Wettbewerbskraft verloren. Die Älteren werden ihr Geld für Fernreisen ausgeben, aber nicht für die Schaffung von Wohnraum - und sie werden einen enormen Anpassungsdruck auf die Jungen ausüben." (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 17.11.2003)

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