Film-Göttin Hedy Lamarr ist gestorben

19. Jänner 2000, 21:36

Die gebürtige Wienerin hatte einst als schönste Frau der Welt gegolten, die erste Nacktszene der Filmgeschichte gespielt - und als Erfinderin eine Funk-Fernsteuerung für Torpedos entwickelt ...

"Any girl can be glamorous. All you have to do is stand still and look stupid."

Foto: APA/dpa

Orlando - Die in Wien geborene Schauspielerin Hedy Lamarr, die in Hollywood Filmgeschichte geschrieben hat, ist tot. Nach Angaben der Polizei in Orlando (US-Bundesstaat Florida) wurde die 85-Jährige mit dem bürgerlichen Namen Hedwig Kiesler am Mittwoch tot in ihrem Haus aufgefunden. "Es sieht so aus, als wäre sie im Schlaf gestorben", sagte ein Sprecher der Polizei. Hedy Lamarr sei von Freunden gefunden worden, die sich zu ihrem Haus begeben hätten, nachdem sie die 85-Jährige telefonisch nicht erreichen konnten. Der genaue Zeitpunkt des Todes war nicht klar, sagte Polizeisprecher Steve Olson weiter. Die genaue Todesursache werde untersucht.

Als Hedy Lamarr hat die gebürtige Wienerin Hedwig Kiesler in Hollywood Filmgeschichte geschrieben. Sie galt als "schönste Frau der Welt" und spielte die erste Nacktszene der Filmgeschichte. Die Schauspielerin, die am 9. November 1999 ihren 85. Geburtstag feierte, war aber nicht nur Diva mit dem Hang zum Skandal, sondern auch Erfinderin. Am Mittwoch wurde sie in ihrem Haus bei Orlando (US-Bundesstaat Florida) tot aufgefunden.

Ihre Herkunft

Hedy Lamarr wurde am 9. November 1914 in Wien als Hedwig Eva Maria Kiesler in eine jüdische Großbürgerfamilie geboren. Der Vater war Bankdirektor, die Mutter Pianistin. Ende der zwanziger Jahre wurde Hedy Kiesler von Max Reinhardt für die Schauspielerei entdeckt. Nach einer Ausbildung am Theater in Berlin kehrte sie nach Wien zurück, wo sie Anfang der dreißiger Jahre als Script-Girl beim Film zu arbeiten begann. An der Seite von Hans Moser und Heinz Rühmann spielte sie 1931 ihre erste größere Rolle in dem Streifen "Man braucht kein Geld". 1933, knapp 18-jährig, sorgte sie für internationales Aufsehen, als sie in der tschechisch-österreichischen Koproduktion "Ekstase" die erste Nacktszene der Filmgeschichte spielte.

Die Ehe mit dem Generaldirektor der Hirtenberger Patronenfabrik, Fritz Mandl, unterbrach die Karriere der Diva mit dem Hang zum Skandal. 1937 verließ sie ihren Mann und das repräsentative Heim am Wiener Schwarzenbergplatz, ging nach London und wurde von MGM-Boss Louis B. Mayer nach Hollywood geholt. Dort avancierte sie zur "schönsten Frau der Welt" und drehte rund 30 Filme, u.a. mit Clark Gable, Judy Garland, Spencer Tracy und James Stewart. In Cecil B. DeMilles Bibelverfilmung "Samson und Delilah" spielte sie 1949 die weibliche Hauptrolle. Der von ihr kreierte Typus der dunkelhaarigen rätselhaften Schönheit hat einen bedeutenden Einfluss auf die Film- und Populärkultur ausgeübt. So diente sie etwa auch Pop Art-Ikone Andy Warhol als Bildmotiv.

Gegnerin des Nationalsozialismus

Gemeinsam mit dem US-Komponisten George Antheil hatte die gefeierte Schauspielerin bereits 1942 eine neuartige Funk-Fernsteuerung für Torpedos entwickelt, bei der das Steuerungssignal über mehrere Frequenzen verteilt wurde und so vor Störungen durch den Feind gesichert war. Als Ex-Frau eines Rüstungsfabrikanten hatte die vehemente Gegnerin des Nationalsozialismus Einblick in die Anforderungen der Militärtechnik. Das sogenannte "Frequency Hopping" bildet heute nicht nur die Grundlage des militärischen Satellitenabwehrsystems der USA, sondern ist auch für Schnurlos- und Mobiltelefone von grundlegender Bedeutung. Ihre technischen Leistungen wurden in den USA allerdings erst spät anerkannt. Im Jahr 1998 wurde Lamarr mit dem österreichischen Erfinderpreis ausgezeichnet.

Seit 1953 war Lamarr, die drei Kinder aus sechs Ehen hat, amerikanische Staatsbürgerin. Für einen Skandal sorgte 1966 eine vermeintliche Autobiografie, gegen die der Star wegen Rufschädigung Klage erhob. Die Künstlerin, in den USA nach wie vor eine Art lebende Legende, lebte in den vergangenen Jahren zurückgezogen in Florida. Sie fühle sich aber noch immer als Österreicherin, betonte ihr Sohn vergangenes Frühjahr, als die Kunsthalle Wien sie mit der "Hommage a Hedy Lamarr" ehrte.

Szene aus "Samson und Delilah". Foto: Verleih

In den vergangenen Jahren hatte Lamarr zurückgezogen in Altamonte Springs, einem Vorort von Orlando, gelebt. 1933, knapp 18-jährig, sorgte sie für internationales Aufsehen, als sie in der tschechisch-österreichischen Koproduktion "Ekstase" die erste Nacktszene der Filmgeschichte spielte.(APA/AP)

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