Alk, Drugs und der Blues im Alltag

7. Juli 2005, 15:46
5 Postings

Wodkamischung als Einstiegsdroge - Drogenkonsum ist kein jugendspezifisches Problem

Unter 28 für den Jugendgesundheitsbericht 2002 befragten Ländern nehmen österreichische Jugendliche beim Alkoholkonsum einen Spitzenrang ein: Platz sieben.

23 Prozent der 15- bis 24-jährigen Mädchen und fast doppelt so viele Burschen (39 Prozent) trinken zumindest wöchentlich Bier, Wein oder Hochprozentiges.

"Wir leben in einer Kultur, die den Alkohol akzeptiert. Das geht schon von den Eltern und Erwachsenen aus, aber auch von den Gastwirten, die an Jugendliche ausschenken", meint Reingard Spannring vom Österreichischen Jugendforschungsinstitut. Der Alkoholkonsum bei Jugendlichen hat vor allem bei den 15-Jährigen zugenommen. Das Einstiegsalter ist früher.

Alkohol ist Droge Nummer eins

Bei Jugendlichen, erzählt Ingrid Kromer, Projektleiterin des Jugendgesundheitsberichtes 2002, werde gezielt für Alkohollimonaden (Mischungen Wodka/Limonade) geworben: "Diese Mischungen sind Einstiegsdrogen. Wir wissen, dass Alkohol die Droge Nummer eins ist. Trotzdem haben wir dann Werbekampagnen mit coolen Logos, die eindeutig auf Jugendliche abzielen."

Auch durch die frustrierenden Erfahrungen am Arbeitsmarkt greifen Jugendliche mehr zur Flasche. "Wir können es nicht ganz auf Problemfamilien reduzieren, sondern es hat auch damit zu tun, dass viele Jugendliche keine berufliche Perspektive haben", so Spannring.

Ecstasy als Modedroge

"Wieso ist alles blau, wenn ich in den Spiegel schaue? Ich kann nicht mehr mich sehen, sondern nur noch blaue Wellen." Mit Fragen wie diesen ist Sophie Lachout, Leiterin des Projektes CheckIT bei einem Rave-Event konfrontiert. Das Team bietet jugendlichen Konsumenten synthetischer Drogen wie Ecstasy eine Analyse ihrer Drogen, Information und Beratung vor Ort an. "Das scheint eine besonders hohe Dosis gewesen zu sein. Es können die Wahrnehmungsfilter so aufgeweitet werden, dass das Gehirn die Reize in die normale Lebenswelt nicht mehr integrieren kann", erklärt die Psychologin.

Internationale Untersuchungen verweisen darauf, dass sich Konsumenten synthetischer Drogen nicht als traditionelle Drogenkonsumenten verstehen. CheckIT erreicht die Jugendlichen über eine objektive Information. Das Konzept geht auf: In einer Rave-Nacht gibt es 300 Klientenkontakte und 80 Analysen.

Ingrid Kromer vom Institut für Jugendforschung (ÖIJ): "Der Konsum von Heroin und Kokain ist stabil oder rückläufig. Die Modedrogen sind Cannabis und Ecstasy." 31 Prozent der 14- bis 29-Jährigen in Österreich haben Erfahrungen mit Cannabis. Der Konsum "härterer" Drogen ist deutlich seltener, ein Anstieg ist nicht zu verzeichnen. Der Konsum von Ecstasy stellt die wesentlichste Veränderung dar.

Uwe Hincziza von CheckIT schätzt, dass ein Prozent seiner drogensüchtigen Klienten Jugendliche sind. "Die Schwelle zu harten Drogen ist hoch. Es gehört schon einiges dazu, harte Drogen auf Dauer zu nehmen."

Alle sind sich einig: Der Drogenkonsum sei nicht ärger geworden. "Drogenkonsum ist kein jugendspezifisches Problem", meint Reingard Spannring. "Die Gesellschaft schaut sich aber gerne nur ein Problem an und schiebt es auf die Jugend. Und die ist dann die böse Jugend." (Eva M. Bachinger/DER STANDARD, Printausgabe, 14.11.2003)

Tipps

Sozialmedizinische Drogenberatungsstelle Ganslwirt, 1060 Wien, Esterházygasse 18/Ecke Gumpendorfer- straße, Tel.: (01) 586 04 38, E-Mail: ganslwirt@vws.or.at, vws.or.at, erreichbar: 0-24 h

Streetwork, Verein Wiener Sozialprojekte, Sozialer Stützpunkt: 1010 Wien, Kärntnertor-Passage, Ausgang Sezession, links

Share if you care.