Drum prüfe, wer sich bindet

7. Juli 2005, 15:46
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Beratungsstelle für Sektenfragen hilft Angehörigen wie Betroffenen

Über 600 Anfragen von Betroffenen pro Jahr - Tendenz weiter steigend. Die Beratungsstelle für Sektenfragen ist immer mehr gefragt.

Vor fünf Jahren gegründet und dem Sozialministerium zugeordnet, beraten und informieren die sechs Mitarbeiter über so genannte "Sekten" und religiöse Gruppen. Jedes Jahr wird Auskunft über 300 Organisationen gegeben. Wobei, so Beratungsstellenleiter German Müller, nicht jede gleich gefährlich ist.

Die Information sei trotzdem wichtig, denn: "Wenn man genauer hinschauen würde, ginge man nicht gleich jeder Idee auf den Leim." Man könnte sie prüfen und hinterfragen, wie hilfreich sie tatsächlich ist. Kritisches Denken, Umgang mit sozialen Gefügen, diskutieren können und mit Frustration umgehen zu lernen, seien einige Grundelemente für einen Schutz vor Sekten. Und das, so Müller, müsse man von Kindheit an lernen: "Prävention beginnt nicht erst im Alter von 14."

"Zielgruppe von Sekten sind eher Erwachsene"

Dass Jugendliche besonders gefährdet sind, sieht Müller nicht: "Die Zielgruppe von Sekten sind eher Erwachsene." Junge Menschen seien vor allem dann betroffen, wenn die Eltern konvertieren oder aber in einer Familie aufwachsen, die bereits Anhänger einer Gruppierung ist. Als Kennzeichen für Strukturen von so genannten "Sekten" nennt er unter anderem drei Punkte: ein Führer an der Spitze, eine steile Hierarchie, die von den Anhängern kritiklos angenommen wird, sowie eine rezeptartige Ideologie, die als einzig gültige Wahrheit präsentiert wird.

Kontakt halten

Die Beratungsstelle bietet zwar Hilfe für Aussteiger an, wichtigster Faktor in diesem Zusammenhang sei aber das persönliche Umfeld. Müller: "Wichtig ist, den Kontakt zu halten. Anstatt die Gruppe zu kritisieren, sollte man besser nachfragen, denn das Interesse für eine Gruppe ist häufig Ausdruck eines Symptoms - dahinter liegen Bedürfnisse."

Seit längerem spielt die Esoterik hier eine sehr große Rolle. Das würden auch die vielen Anfragen an die Beratungsstelle beweisen. Eine Untersuchung, die von der Gesellschaft gegen Sekten- und Kultgefahren und der Uni Wien durchgeführt und Mitte des Jahres präsentiert wurde, zeigt diesen Boom auch bei der Jugend. So sind sich 80 Prozent der 2400 befragten Jugendlichen sicher, dass die Sterne ihr Leben beeinflussen. (pm/DER STANDARD, Printausgabe, 13.11.2003)

Tipp

Bundesstelle für Sektenfragen: Wollzeile 12/2/19, 1010 Wien, (01) 513 04 60, E-Mail: bundesstelle @sektenfragen.at

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