Die rechte Szene ist im Westen attraktiv

7. Juli 2005, 15:47
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Provokation als Motiv für Skinheads, rege Kontakte mit Deutschland

Nein, er wolle nicht einzelne Schultypen diskreditieren, sagt Wolfgang Neugebauer, Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes. Aber Tatsache sei: "Schüler höherer Schulen, von AHS oder BHS, haben starke demokratisch-antifaschistische Grundhaltungen. An solchen Schulen gibt es viele Projekte zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Bei Hauptschülern oder an Polytechnischen Lehrgängen stößt rechtes Gedankengut aber auf gewisse Sympathie."

Das hänge einerseits, analysiert Neugebauer, mit Informationsdefiziten zusammen, da an diesen Schultypen für politische Bildung wenig Zeit bleibe, andererseits mit latenter Ausländerfeindlichkeit und Lust zur Provokation.

Letzteres Motiv nennt auch der Verfassungsschutzbericht des Innenministeriums als einen Hauptgrund für die seit Jahren konstante Zahl jugendlicher Skinheads. Vor allem in den westlichen Bundesländern ist die Skinheadszene aktiv und lebt auch von regen Kontakten mit Deutschland.

Einstieg Skin-Musik

Als "Einstiegsdroge" in die Skinheadszene, sagen die Verfassungsschützer im Innenministerium, fungiere die Subkultur - das Outfit und die Skin-Musik. Auch daher komme Skinhead-Konzerten große Bedeutung für die Szene zu, einerseits als Musiktauschbörse, andererseits zum Kontaktaufbau und Informationsaustausch. Einige Hundert, manchmal bis zu 1000 Besucher kommen zu derartigen Konzerten in den Westen, auf denen Lieder wie "Six Million" gesungen werden. Diese Zahl der Konzertbesucher soll nicht über die Größe der österreichischen Szene täuschen - viele reisten aus Deutschland an. Zu der größten Veranstaltung in Wien, der Demo gegen die Wehrmachtsausstellung auf dem Heldenplatz im Frühjahr, kamen etwa 150 Skins und Rechtsextreme, einer wurde nach dem Verbotsgesetz verurteilt.

Trotz der überschaubaren Größe warnt Neugebauer davor, die "rechte Szene zu unterschätzen". So bemerkt er etwa "neue Aktivitäten im Burschenschafterbereich", zum Beispiel revisionistische Vorträge. Dabei spiele auch der Ring Freiheitlicher Jugend eine Rolle, etwa bei der Kranzniederlegung am Grab des NS-"Fliegerhelden" Walter Nowotny. Ebenfalls neu in der Szene sei die Vermengung des Feindbildes Israel mit dem Feindbild USA, auffallend etwa in der Debatte um den Irak-krieg. Dieser Punkt, so Neugebauer, sei auch der einzige, in dem sich "rechts- und linksextreme Szene treffen": "Das ist die neue Gefahr." (eli/DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2003)

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