Der erste Attac-Minister relativiert alles

7. Juli 2005, 15:47
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Jugendforscher Zentner will Befunde über "unpolitische Jugend" nicht überbewerten

Jedes Jahr eine Studie, jedes Jahr Alarm: "Junge interessieren sich nicht für Politik!" Auch Jugendforscher Manfred Zentner verfasst solche Studien - will aber den Alarm ein wenig relativieren: "Das Interesse Junger an Politik bleibt seit Jahren mit rund zehn Prozent konstant niedrig - im Vergleich zu dem, was Erwachsene sagen. Es ist aber möglich, dass Erwachsene höheres Interesse vorheucheln." Oder gehen Erwachsene demonstrieren? Eben, zum Beispiel gegen den Irakkrieg waren vor allem Junge auf der Straße.

Das ändert nichts am Befund Zentners: "Politik ist für Jugendliche einfach nicht greifbar, daher ist das Interesse an Politik am Abnehmen. Das ist auch ein Vermarktungsproblem, weil Jungen zu wenig klar gemacht wird, dass es um ihre Lebenswelt geht." Die Gründe dafür sieht Zentner einerseits in einer bewussten Abwendung von der Erwachsenenwelt: "Was bleibt den Jungen denn heute, bei den vielen Berufsjugendlichen, noch übrig, um besonders zu sein?" Andererseits werden Parteien, soziale oder ökologische Gruppierungen als "zu erwachsene und zu etablierte Faserschmeichler" abgelehnt, weil man dort ohnehin nichts erreichen könne.

Das sei nicht unveränderbar, Parteien und Organisationen können sehr wohl etwas tun, um Junge für Politik zu interessieren, ist Zentner überzeugt: Erstens müsse man "klar und verständlich" zeigen, um welche Themen es geht und welche Folgen diese für Junge haben. Der nächste Schritt sei, zu verdeutlichen, dass man mitmachen könne, ohne Mitglied zu werden: "Man muss völlig neue kurzfristige Beteiligungen zulassen." Der dritte (und schwierigste) Schritt sei, Ergebnisse rasch umzusetzen.

So könne man wieder Interesse für Politik wecken - wobei das wieder relativ sei: "Die 68er-Generation gilt als politisch, dabei waren damals nie mehr als drei Prozent der Jungen auf der Straße. Jetzt sind aber etliche davon Politiker. Von den wenigen Prozent, die heute bei Attac sind, werden auch einige Karriere machen. Wenn dann im Jahr 2030 der erste Minister, der bei Attac war, angelobt wird, wird man der Jugend von 2030 vorwerfen - die tolle Jugend von 2003 mit ihrer Attac-Bewegung, die war halt noch politisch." (eli/DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2003)

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