Jugendsprecher, das unbekannte Wesen

7. Juli 2005, 15:47
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Die Jugend hat vier engagierte Vertreter im Parlament - und weiß es vielleicht gar nicht

Eines haben die Jugendsprecher der vier Parlamentsparteien gemeinsam: Sie sind, zumindest in eigener Sache, ehrlich. So geben Silvia Fuhrmann (ÖVP), Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), Elmar Lichtenegger (FPÖ) und Sabine Mandak (Grüne) einmütig zu, dass sie wohl den meisten Jugendlichen weder namentlich noch "als Gesicht" bekannt sind. Mandak schätzt, dass "maximal ein Prozent wissen, dass ich die grüne Jugendsprecherin bin". Heinisch-Hosek sieht das ähnlich. Fuhrmann gibt zu bedenken, dass "nur knapp 50 Prozent überhaupt wissen, wer der Bundeskanzler ist - warum sollten sie also mich kennen?" Und Lichtenegger merkt an, "dass sie es cool finden, dass ich Sportler bin, aber weniger cool, dass ich auch in der Politik bin".

Was haben Jugendsprecher eigentlich zu tun? Sie vertreten bei den Nationalratssitzungen, im Familienausschuss und auch sonst bei politischen Anlässen die "Anliegen der Jugend". Und woher wissen sie, welche Anliegen das sind? Vor allem "durch das persönliche Gespräch", wie die vier betonen.

Dass "die Jugend", aber primär natürlich junge Erwachsene, für Parteien ein interessantes Wählerpotenzial darstellen, beweist die Bevölkerungsstatistik: 2,8 Millionen Österreicher, oder 35 Prozent, sind zwischen 0 und 30 Jahre alt; rund eine Million ist zwischen 20 und 30 Jahre alt. Vordergründige Stimmenfang-Interessen weisen die Jugendsprecher freilich weit von sich. Vielmehr wollten sie die Anliegen der Jugend durchsetzen, sagen die Sprecher.

Nicht zufällig meinen sie damit aber auch Themen, die in der eigenen Partei populär sind. Das heißt bei Lichtenegger: "Jungen Menschen, die vor wichtigen Lebensentscheidungen stehen, Vorbild zu sein"; bei Heinisch-Hosek "junge Leute mitbestimmen lassen". Fuhrmann versteht darunter "gute Ausbildung, guter Job, Sicherheit und später dann eine Familie"; und Sabine Mandak will erkannt haben, dass "Zukunftssicherung, Globalisierung und Friede wichtige Themen sind". Für die Senkung des Wahlalters sind fast alle - nur Fuhrmann, die Jüngste, ist "skeptisch". Sie will Jugendliche nicht "zwangsbeglücken".

"Faktor Identifikation"

Auffällig ist, dass ÖVP und FPÖ bei ihren Jugendsprechern wohl auf den "Faktor Identifikation" setzen: Mit Lichtenegger vertritt ein Spitzensportler die Interessen der Jugend, der auch schon einmal mit Nacktfotos für Aufsehen sorgte und freimütig zugibt, dass ihn viele Jugendliche "einfach als Sportler gut" finden. Umso unangenehmer war daher für ihn der jüngst aufgetauchte Dopingverdacht, den er sich mit verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln eingehandelt hat - umso emsiger arbeitet er an seiner Rehabilitierung, Stichwort "Vorbildwirkung".

Auf ein blitzblankes Image noch ohne Brüche kann dagegen Silvia Fuhrmann verweisen. Mit 22 ist sie die jüngste Abgeordnete im Parlament. "Entdeckt" wurde sie vom ehemaligen JVP-Obmann Werner Amon, der sie auch zu seiner Nachfolgerin machte. Im letzten Wahlkampf stellten sie Wolfgang Schüssels Wahlkampfspezialisten in die erste Reihe, weil alle Umfragen besagten, dass die ÖVP vor allem bei Jungwählern punkten könne (was dann auch geschah). Silvia Fuhrmann geht sehr pragmatisch an die Politik heran: Sie sagt, sie wolle gar nicht durch aufmüpfiges Benehmen oder unkonventionelle Kleidung auffallen: "Warum soll ich bei wichtigen Verhandlungen nicht ein Kostüm anziehen, wenn ich dadurch mehr erreiche?" Auf Jugendevents gehe sie aber "sicher nicht im Businesslook. Es ist komisch genug, wenn mich Leute siezen, die drei Jahre jünger sind als ich."

Dass sie gesiezt werden, empfinden gestandene Politikerinnen wie Heinisch-Hosek oder Mandak nicht als seltsam. Dass sie wesentlich älter sind als die Klientel, die sie vertreten, stört nicht: "Politische Überzeugungen sind keine Altersfrage", meint SP-Sprecherin Heinisch-Hosek. "Wichtig ist, dass man sich nicht anbiedert", so Mandak. Sie kenne sich zwar "nicht gut in der Szene aus, aber das haben mir Jugendliche noch nie übel genommen". (Petra Stuiber/DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2003)

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