"Ewiges Hocharbeiten macht natürlich viel weniger Spaß"

7. Juli 2005, 15:47
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Studierendenvertreter und NGO-Mitarbeiter sind als Nachwuchspolitiker gefragt - Erste Sporen in Jugendparteien - ÖVP und FPÖ setzen bei Rekrutierung auf akademische Männerbünde

Eva Konrads Alltag ist seit einiger Zeit etwas komplizierter geworden. Zwei Tage die Woche ist für die 23-Jährige noch immer Studieren angesagt, die restliche Zeit wird allerdings ihrer neuen Aufgabe gewidmet: Die Tirolerin ist Bundesrätin der Grünen.

Ihr Einstieg ins Politikerleben ist typisch für den Weg, den viele Grünen-Politiker genommen haben. Sie kommt aus der Studentenpolitik. Konrad ist Mitglied der Grünen Alternativen Studierenden (GRAS) und war ÖH-Vorsitzende an der Universität Innsbruck. Dass der Nachwuchs sehr stark aus diesem Bereich kommt, bestätigt auch Bundesgeschäftsführer Franz Floss im STANDARD-Gespräch.

"69er-Generation"

Er sieht aber auch Potenzial bei den vielen NGO, mit denen man zusammenarbeitet. So kommt beispielsweise Parteivizechefin Eva Glawischnig aus der Umweltorganisation Global 2000. Geht es nach Floss, so wird ab nächstem Jahr besonders um neue Mitglieder geworben. Eine "Generationen- und Jugendkampagne" für die Anliegen der unter 35-Jährigen, speziell für die "69er-Generation", wurde Anfang November von Glawischnig gestartet.

Dass man als Jungpolitikerin bei den Grünen besonders gute Chancen hat, erklärt sich Eva Konrad mit der flachen Hierarchie ihrer Parteien. Konrad: "Ewiges Hocharbeiten macht natürlich viel weniger Spaß. Kritische Geister werden so ja auch nicht unbedingt gefördert."

Bei den Freiheitlichen kann der Einstieg ins Leben eines Jung-Blauen stark vom Wohnort abhängen: Während in Wien viele Junge (Männer) via Burschenschaft zur Partei kommen, nennt Robert Stelzl, Geschäftsführer der Freiheitlichen Akademie, für andere Länder unterschiedliche Zugangstrends. In Kärnten etwa würden "speziell durch die Person Haider" viele Jugendliche zur FPÖ kommen. Zudem habe dort die Partei einen ganz anderen "Schick" als in Wien.

Bundesweit kümmert sich der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) um den Parteinachwuchs: Die Vorfeldorganisation unter der Obmannschaft von Johann Gudenus hat zwischen 12.000 und 13.000 Mitglieder. Das Durchschnittsalter beträgt 16 Jahre, "es gibt allerdings auch schon Zwölfjährige beim RFJ", sagt Gudenus.

Sein Ziel ist es, eine Art Korrektiv gegenüber der FPÖ zu sein, wobei der Obmann dennoch das "sehr gute Verhältnis" betont. FP-nahes Trockentraining bietet zudem die Freiheitliche Akademie mit Fortbildung für alle Altersstufen an. Mitgliedspflicht gibt es dabei keine. Innerhalb der Akademie konstituiert sich das Collegium Scala, ein Programm, welches vor allem von Studenten und Akademikern genützt wird, als "Kaderschmiede" der FPÖ.

Ein Blick auf die SP-Führung genügt, um zu wissen, woher der Nachwuchs kommen kann: zum Beispiel aus der Sozialistischen Jugend (SJ). SP-Vorsitzender Alfred Gusenbauer war SJ-Chef, ebenso wie Klubobmann Josef Cap, Bundesgeschäftsführerin Doris Bures engagierte sich ebenfalls in der SJ. 66.000 Mitglieder zählt die SJ, die ihre Eigenständigkeit stets betont.

Auch inhaltlich ist man nicht immer auf Linie. So macht sich der derzeitige SJ-Chef Andreas Kollross für die Abschaffung des Bundesheeres stark. Eine andere Möglichkeit, in die Politik einzutauchen, ist auch hier der Weg über die Studierendenvertretung. Wiens Bürgermeister Michael Häupl kam aus dem Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs (VSStÖ), wie auch Norbert Darabos - heute Bundesgeschäftsführer neben Bures.

Männerbündler

In der ÖVP setzt man wieder auf Altbewährtes: den Cartellverband (CV). Der Männerbund dient immer schon als wichtige Personalreserve. CV und Mittelschülerkartellverband (MKV) zusammengerechnet kommt man auf über 30.000 Mitglieder. Da wichtige VP-Politiker farbentragend sind, wie etwa die Landeshauptleute aus Tirol, Oberösterreich und Salzburg, ist es kaum verwunderlich, dass in ihren Vorzimmern ebenfalls viele Cartellbrüder sitzen - etwa Hans Magenschab (Bajuvaria), Pressesprecher von Bundespräsidenten Thomas Klestil, der auch Mitglied in der gleichen Verbindung ist.

Dabei gäbe es eine eigene Jugendtruppe in der ÖVP: Silvia Fuhrmann ist nicht nur Jugendsprecherin ihrer Partei sondern auch Obfrau der Jungen ÖVP. Ihre Organisation, die JVP, hat rund 100.000 Mitglieder, deren Altersdurchschnitt bei 23,5 Jahren liegt. Die Teilorganisation der Bundespartei versteht sich jedoch nicht als Kaderschmiede zukünftiger "Parteibonzen", sondern setzt ihren Schwerpunkt im Bereich Persönlichkeitsbildung.

Umfassender die Eigendefinition einer weiteren ÖVP-Vorfeldorganisation: Die Politische Akademie hat sich das Motto "Modern Politics" auf ihre Fahnen geheftet und versteht sich selbst als Plattform zur Aus- und Weiterbildung sowie zu Reflexion und Diskussion gesellschaftsrelevanter Themen.

Seit kurzem können interessierte Jugendliche auch die neu gegründete "C3-Akademie" besuchen. Deren Schwerpunkt nach Eigendefinition: Die "Schulung engagierter Jugendlicher im Bereich von Politik und Kommunikation". Einer der Leiter der Akademie ist VP-Klubmitarbeiter Markus Figl. Er kommt - wie könnte es anders sein - aus dem Cartellverband. (Peter Mayr, Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2003)

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    Mit 22 die Jüngste im Nationalrat: Silvia Fuhrmann, Chefin von rund 100.000 Junge-ÖVP-Mitgliedern.

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