Bundesschulsprecherin im SchülerSTANDARD- Interview: "Engagement ist ein Kampf"

7. Juli 2005, 15:47
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"Jugendliche müssen ihre Stimme erheben, um gehört zu werden" - Romana Brait über Engagement, den Linksruck und einen Schulterschluss mit der Schülerunion

DER STANDARD: Kann man von einem Linksruck der Jugendlichen sprechen?

Brait: Die Jugendlichen sind jedenfalls kritischer geworden. Sie lassen sich nicht mehr alles gefallen und sind bereit, ihre Stimmen zu erheben. Ich sehe auch eine klare Abneigung der Bildungspolitik gegenüber.

DER STANDARD: Weshalb, konzentriert sich die AKS nicht nur auf schülerspezifische Themen?

Brait: Schüler werden nicht nur von der Schule beeinflusst, sondern auch von der Gesellschaft. Man kann beides nicht voneinander trennen, die Schule bildet schließlich die nächste Gesellschaft aus.

DER STANDARD: Ist die AKS als eine Schülerorganisation der SPÖ anzusehen?

Brait: Das glaube ich nicht. Die AKS hat schließlich einen schulischen Schwerpunkt. Aber wir haben viele gemeinsame Themen mit der Sozialistischen Jugend, SJ, da wir beide linke Jugendorganisationen sind. Wir sind insofern unabhängig, als wir unsere Inhalte selbst bestimmen können. Finanziert werden wir von der SPÖ.

DER STANDARD: Warum gibt es keinen Schulterschluss mit der Schülerunion?

Brait: Die Schülerunion beschränkt sich nur auf Bildungsthemen. Sie unterstützt zwar prinzipiell unsere Forderungen, wie Gleichberechtigung, ist aber nicht bereit, aktiv etwas dafür zu unternehmen. Daran scheitert es leider. Bei Themen wie Schule und Wirtschaft, wo die AKS ganz klar sagt, dass die Schule öffentlich bleiben und vor dem Eingreifen der Wirtschaft geschützt werden muss, spalten sich unsere Wege auch. Da können wir nicht zusammenarbeiten, weil es klare ideologische Grenzen gibt.

DER STANDARD: Glaubst du, dass ihr etwas bewirken könnt?

Brait: Ja, sonst würde ich es nicht machen. Wir müssen gehört werden, denn wir haben Rechte. Man muss sich organisieren, viele Stimmen werden besser gehört als nur eine.

DER STANDARD: Was sagst du Schülern, die resigniert haben?

Brait: Ich ermutige sie, weiterzukämpfen. Je mehr man sich für etwas einsetzt, umso realistischer wird ein Ziel. Aber Engagement ist bei Jugendlichen ein Kampf. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2003)

Zur Person

Romana Brait von der Aktion kritischer Schüler (AKS), geb. 1986, besucht das BG Stockerau und ist seit September Bundes- schulsprecherin.

Das Gespräch führten Louise Beltzung und Isabella Hager.

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