Drei Kreuze

31. Oktober 2005, 16:24
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Wolfgang Ernst, Künstler und Mitglied der Secession, wechselte das Fach und macht jetzt Wein in Istrien

Wolfgang Ernst ist Extremist, künstlerisch und sonst eigentlich auch, legte sich stets mit allen an, die nicht so radikal dachten wie er, war nie Teil einer der österreichischen Künstlercliquen. Vor drei Jahren schwärmte ihm ein befreundeter Galerist von Istrien vor, seine Frau Waltraud und er schauten sich das an, "und als wir zurückfuhren, waren wir uns dann ungefähr bei Wiener Neustadt sicher, dass wir alles verkaufen würden, um in Istrien was anzufangen". Und zwar mit Wein. Besonders viel Ahnung hatte Ernst damit zwar nicht, früher hatte er immer Fasswein von Anton Iby aus Horitschon gekauft und in eigenen Fässern als Hauswein ausgebaut, "außerdem verkoste ich seit 35 Jahren das, was ich mir leisten konnte".

Vor vier Jahren hatte er dann aber auf einmal zwei Hektar mit teilweise uralten Weinstöcken der Sorten Malvasia und Teran, aus denen bis dahin noch keine wirklich bedeutenden Weine gekeltert wurden. Ernst aber war sich sicher, "dass das da goldener Boden ist", er sanierte den Weingarten, setzte viel Energie daran, den Boden wieder zu beleben, baute sich einen kleinen Keller von bestechender Ergonomie ("auch die Räume müssen stimmen, Wein ist die Summe von enorm vielen Faktoren") und sprach mit vielen Winzern, "obwohl ich sowieso mach', was ich will, aber ich hör' mir alles an". Und das nicht primär aus Ehrgeiz, den man bei fanatischen Wein-Quereinsteigern ja schon des Öfteren feststellen konnte, "sondern aus der Überzeugung, dass hier was Gewaltiges entstehen kann". Die Weinberge sehe er gewissermaßen als Atelier, malen würde er jetzt mit der Rebschere.

Ein reines Konzentrat

Aus seinen 4000 Rebstöcken gewinnt Wolfgang Ernst an die 2000 Liter, das dürfte in Kroatien quantitativer Negativrekord sein, "ein reines Konzentrat", das auch entsprechend schnell zu Kroatiens höchstbewertetem Wein wurde - was allerdings weiters ohne Folgen blieb. Denn Wolfgang Ernsts Weine sind nicht einfach. "Ich habe mit meiner Kunst die gleichen Probleme gehabt wie heute mit meinen Weinen", meint der Einzelgänger: der weiße Malvasia mit langer Standzeit auf der Maische, was dem ohnehin schon sehr konzentrierten Saft noch zusätzliches Rückgrat verleiht, unheimlich viel Stoff, fein verspielte Säure, Pfirsich, Bienenwachs, Karamell und Himbeeren nimmt man wahr. Holz eigentlich kaum, aber das nicht zuletzt deshalb, weil Wolfgang Ernst die Barriques nach archaischer Rezeptur mit einer Infusion aus Äpfeln, Quitten, Fenchel und Holunder neutralisiert. Der rote Teran (im Friaul "Refosco") ganz anders, mit extrem kurzem Maischekontakt, unheimliche Kraft, loderndes Feuer, hohe Säure und eine Mineralität, die man fast zu beißen vermeint. Der 2000er eine Ikone von Wein, der 2001er animalisch und streng, 2002 und 2003 werden noch lange nicht in Verkauf sein, Reservierung lohnt.

Ein bisschen Cabernet und Merlot hat Wolfgang Ernst auch gepflanzt, Wein möchte er aber erst in vier Jahren daraus keltern, "bis dahin machen wir Marmelade draus". Ernsts "Creator Spiritus"-Weine - den Namen lieh er sich von einer seiner Installationen - zählen zu den außerordentlichen Weinen auf dem Gebiet der ehemaligen k.u.k. Kronländer, Weine von souveränem Charakter, von Respekt einflößender Individualität. (DerStandard/rondo/Florian Holzer/07/11/03)

Wolfgang Ernst
Bajkini 11
HR-52447 Vizinada
Tel:00385/52 44 60 55

"Creator Spiritus"-Weine
bei "Schuppich"
Rotensterng. 18
1020 Wien
Tel: 01/212 43 40
und bei
"Zum Schwarzen Kameel"
Bognerg. 5
1010 Wien
Tel: 01/533 81 25
wo Wolfgang Ernst am 8.11. auch das Schaufenster gestalten wird.
  • Artikelbild
    foto: florian holzer
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