Immer noch cool und geil

7. Juli 2005, 15:47
9 Postings

Jugendsprache galt schon immer als wichtige Form der Abgrenzung von den Alten

Die Sprache der Jugend, der Slang und die harten Kraftausdrücke geben den Erwachsenen immer wieder Anlass zum Naserümpfen. Tatsächlich verwenden aber auch Erwachsene viele teils regional unterschiedliche Ausdrücke, die einst einer so genannten Jugendsprache entsprangen. Etwa "Pallawatsch", "hackeln" und "Kauderwelsch".

Der deutsche Sprachwissenschafter Hermann Ehmann beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Sprache der Teens und Twens. Sein erstes "Lexikon der Jugendsprache" erschien 1991, zehn Jahre später die Aktualisierung. Seines Erachtens hat sich in diesem Jahrzehnt puncto Jugendsprache hauptsächlich der Wortschatz verändert, wobei Evergreens die "cool", "mega", "total" und "gaga" weiterhin bestehen.

Die in den 80er- und 90er- Jahren extrem beliebten Anglizismen haben den Charakter des Besonderen verloren. Sie sind eher schon wieder aus der Mode - mit Ausnahme von Internetusern. Die Veränderungen gehen schneller, Spezifika von Chat- und SMS- Kommunikation gehen in die Alltagssprache über, inklusive Abkürzungen wie zum Beispiel "lol" (laughing out loud), erklärt Florian Menz vom Institut für Sprachwissenschaft.

Die neuen Medien haben einen großen Einfluss. SMS-Botschaften werden eingesetzt, um sich selbst darzustellen und um Freundschaften zu pflegen. "Sie sind unglaublich höflich. Trotz der Kürze fehlt nie eine Begrüßung oder ein Abschiedsgruß", stellt die Jugendforscherin Ingrid Kromer dazu fest. Einen Sprachverfall sieht sie nicht. "Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern nur um die Botschaft. Sie verlernen dadurch ganz sicher nicht die Rechtschreibung, die deutsche Sprache."

Als wichtigste Funktion von Jugendsprache bezeichnet Florian Menz die Abgrenzung. "Wie jeder Jargon dient auch die Jugendsprache dazu, sich von anderen Gruppierungen der Gesellschaft zu unterscheiden." Für Ehmann steht der Protestaspekt als Gegenpol zu sprachlichen und gesellschaftlichen Normen eindeutig im Vordergrund. Der Aspekt der Glaubwürdigkeit besagt, dass Sprache authentisch klingen, passen muss. Deshalb misslingen sprachliche Anbiederungsversuche von Erwachsenen. (Eva M. Bachinger, Nina Brlica/DER STANDARD, Printausgabe, 6.11.2003)

Share if you care.