Die ersten Schmetterlinge im Bauch

7. Juli 2005, 15:47
6 Postings

Hälfte der 16- bis 17-Jährigen hat "das erste Mal" hinter sich - Sexklischees stressen Teenies

Julia war 14, als sie "es" zum ersten Mal probierte. Na ja, ganz so überdrüber aufregend war es nicht, aber "natürlich schon schön - auch weil es der Freund ist und nicht nur wegen dem Sex an sich", sagt die Wiener Schülerin zwei Jahre nach dem "ersten Mal".

Thomas ist 17, lebt in Salzburg und hat noch mit keinem Mädchen geschlafen, findet das aber auch nicht sonderlich bemerkenswert oder gar stigmatisierend. Früher oder später wird es auch bei ihm und seiner Freundin so weit sein, dass sie miteinander schlafen.

Julia und Thomas sind mit ihren sexuellen Erfahrungen typisch für ihre Generation: "Mit 16 oder 17 Jahren hat die Hälfte der Jugendlichen das erste Mal hinter sich oder andersrum: den ersten Sex noch vor sich", sagt Jugendsexualberaterin Bettina Weidinger, die unter herzklopfen@netway.at mit einem Kollegen pro Monat 400 E-Mails von Teenagern zum Thema Liebe, Sex und Verhütung beantwortet, aber auch in Schulen kommt.

Sexklischees

"Das Wissen, wie es geht, haben alle. Vor allem aus Medien und Fernsehen und vom Freundeskreis", schildert die Mitautorin der Studie "Das erste Mal" ihre Beratungserfahrungen. Womit sie oft zu tun habe, sei viel eher das "Zurechtrücken von Sexklischees und Bildern, die die Jugendlichen aus ihren Infoquellen bekommen". Denn das, was die Teenies im TV (Buben beziehen auch viel Fehlinformation aus Pornos) zu sehen bekommen, "macht wahnsinnigen Stress. Denn die Jugendlichen glauben daran: Was ich auf den Bildern sehe, das ist echt."

"Sex ist kein Konsum-Event"

Dann meinen viele, so Weidinger, "wenn sie beim ersten Mal nicht das volle Programm machen, sind sie nichts oder nicht gut genug. Dieser Stress vor dem ersten Mal ist größer geworden." Sie rät dann: "Sex ist kein Konsum-Event, für den man vorher den halben Sexshop aufkaufen muss."

Thema Verhütung

Das Thema Verhütung nehmen die Teenies relativ ernst: "Fast alle Jugendlichen verhüten beim ersten Mal. Meistens mit Kondom, viele wechseln dann auf die Pille." Allerdings gilt Verhütung noch immer als Frauensache. Vor allem, weil das Kondom irgendwann zu einer Art "Vertrauensfrage" stilisiert wurde. Es nicht zu nehmen/fordern symbolisiere auch das Vertrauen in die Treue in der Beziehung, die die Jugendlichen sehr hochhalten. Sexualität unter dem Aids-Aspekt zu diskutieren hält Weidinger für falsch: "Zu viel Panik ist schlecht. Sorglosigkeit ist auch schlecht."

First Love

Persönliche Beratung gibt es auch in den 13 First-Love-Ambulanzen. Die erste entstand auf Initiative von Gynäkologie-Primar Werner Grünberger in der Rudolfstiftung in Wien. Rund 1000 Teenager nutzen das jugendadäquate Angebot: "Anonym, kostenlos, zeitlich und räumlich von den Erwachsenen getrennt." Hauptsächlich fragen Mädchen um Verhütungsmittel (ohne Krankenschein von den Eltern) oder eine gynäkologische Erstuntersuchung.

"Rat auf Draht"

Viele bevorzugen das Telefon: "Rat auf Draht"-Leiterin Michaela Cirka berichtet von 25.000 Anrufen im Jahr 2002 allein zum Thema Sex.

Aller Anfang ist schwer

Ansonsten gilt wohl eines ganz besonders: Aller Anfang ist schwer. Oder wie die 16-jährige Julia meint: "Es wird immer besser mit der Zeit." (Lisa Nimmervoll, Bettina Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 5.11.2003)

Tipps

Herzklopfen: 0800/20 60 60, herzklopfen@netway.at

First Love

First Love Salzburg

firstlove.at

First Love Donauspital SMZ-Ost: (01) 28 80 20. Für Mädchen: Freitag (16:00-19:00), für Buben: jeden 1. Freitag im Monat Jugendberatung in Wien: (01) 369 89 88

JugendsexualberaterInnen in Schulen Tel. (01) 328 66 30

Rat auf Draht: 147

Share if you care.