"Immer noch besser als Fernsehen"

7. Juli 2005, 15:47
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Erst wenn man richtig lang ausbleibt, gilt das auch als Ausgehen - Abhängen, Musikhören, Abfüllen

Wien - Die Kinder, meint Max, nerven. "Heutzutage", sagt er, könne man "nirgendwo mehr hingehen, ohne über Kinder zu stolpern". Max ist 16. Er macht eine Lehre in Salzburg und lebt am Wochenende in Wien. Die Kinder wären aber überall. Egal ob in der Großstadt, der Landeshauptstadt oder in der kleinen Gemeinde, in der er arbeitet: "Die sind zwölf oder 14 Jahre alt, machen Ärger, vertragen nichts."

Ahnungslose Erwachsene

Das Erstaunen darüber, dass Kinder hochprozentig abgefüllt werden, zeige nur, wie ahnungslos Erwachsene seien: "Das Jugendschutzgesetz? Interessiert niemanden. Wenn du wo drinnen bist, kriegst du alles. Bis in die Früh." Auch wenn Wirte das Gegenteil betonen. Ausgehen wäre anders auch gar nicht möglich: Vor 22 Uhr, erklärt der 16-Jährige, sei "nirgendwo was los". Egal ob in den von ihm und seiner Clique bevorzugten Lokalen und Clubs oder in Discotheken.

"Chillige" Lokale oder Disco

Zweimal pro Woche ausgehen sei "normal". Am liebsten in "chillige" Lokale, "wo man abhängen kann und die Musik gut, aber nicht zu laut ist". Oder eben - wo es keine Teenie-Kneipen gibt - in die Disco. "Da ist zwar oft eine aggressive Stimmung, aber immer noch besser als Fernsehen daheim", referiert Maximilian. Der Lehrling aus Wien mit Ausbildungsplatz in der Provinz, bestätigt der Jugendforscher Manfred Zentner vom Trend- und Jugendforschungsbüro t-Factory, läge im Trend: Abhängen und Freunde treffen sei bei Jugendlichen der wesentlichste Grund auszugehen - und bei der Wahl der Lokale stehe die Qualität der Musik im Vordergrund.

Schon Zwölfjährige noch nach Mitternacht unterwegs

Unter "Ausgehen", so der Jugendforscher, verstünden Jugendliche "ab 13" durchwegs langes Wegbleiben. Über das "wie lange" herrsche Uneinigkeit: "Dass schon Zwölfjährige noch nach Mitternacht unterwegs sind, ist bekannt - wie verbreitet das mittlerweile ist, wissen wir nicht genau." Und Jugendschutzbestimmungen, so der Experte, "sind eben nur so effizient, wie sie exekutiert werden".

"Striktes Alkoholverbot"

Ganz so, beteuert Alexander Knechtsberger, stimme der Abfüllvorwurf aber nicht: Bei seinen "Teensparties", die der als "Doc LX" seit 1991 auf Großevents spezialisierte Platzhirsch unter den Kid-Clubbern mittlerweile speziell für Zwölf- bis 15-Jährige organisiert, "gilt striktes Alkoholverbot". Und auch sonst sei sein Personal angewiesen, all zu jung wirkenden Besuchern keinen Alkohol auszuschenken. Nachsatz: "Aber dann geht halt einer, der älter ausschaut, an die Bar." In der Regel, bestätigt Knechtsberger, gebe ein Jugendlicher pro Abend 20 bis 30 Euro aus. "Wir haben das mehrfach ausprobiert: Was man mithat, wird ausgegeben."

Großraumdiscotheken am Land

Während im urbanen Bereich auch kleinere Lokale von diesen Ausgeh- und Konsumgewohnheiten profitieren, treibe aber am Land das Fehlen von Alternativen und der Mangel an Mobilität Jugendliche fast zwingend in Großraumdiscotheken, erklärt Manfred Zentner. Wenn da die "Nachtschicht", die größte Discothekenkette in Österreich, potenzielle Werbekunden damit umgarnt, 50 Prozent der Jugendlichen Österreich als Kunden zu haben, "glaube ich das gerne - wo sollen Jugendliche denn hin, wenn die Zubringerbusse nur dorthin fahren?" In den Städten, betont Maximilian, sei das "wirklich besser. Da kann man sich zwischen Highschoolparty und Flex entscheiden - und dort kommen dann auch keine Kinder rein." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 5.11.2003)

  •  Zweimal pro Woche ausgehen ist üblich, und erst wenn man richtig lang ausbleibt, gilt das auch als Ausgehen. Angesagt sind "chillige" Lokal, in denen man entspannt abhängt, oder doch Lokale zum Abtanzen, wie hier das "Flex".
    foto: heribert corn

    Zweimal pro Woche ausgehen ist üblich, und erst wenn man richtig lang ausbleibt, gilt das auch als Ausgehen. Angesagt sind "chillige" Lokal, in denen man entspannt abhängt, oder doch Lokale zum Abtanzen, wie hier das "Flex".

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