Simon Kukes - Ein Spezialist für Fusionen aller Art

5. Dezember 2003, 13:45
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Ein US-Ölmanager mit russischen Wurzeln will die Turbulenzen um den Yukos-Konzern eindämmen

"Kukes hat zwei unbestreitbare Vorzüge: Erstens ist er US-Staatsbürger und von der russischen Staatsanwaltschaft schwerer zu belangen, zweitens hat er Erfahrung durch die Leitung des Ölkonzerns Tjumen (TNK), der mit BP fusioniert ist." Mit diesem Zitat einer Yukos nahe stehenden Quelle hat die Financial Times zusammengefasst, was den neuen Vorstandsvorsitzenden des Yukos-Headquarters "Yukos-Moskwa", Simon Kukes, für den Posten prädestiniert.

Dass es ein Russe innerhalb der russischen Willkürherrschaft schwerer hat, war möglicherweise schon 1977 eine Erkenntnis, die ihn zur Emigration aus der damaligen UdSSR nach Amerika veranlasste. Immerhin 31 Jahre hatte der 1946 Geborene unter dem diktatorischen Regime zugebracht. Seine Ausbildung begann er in der Zeit des "Tauwetters" unter Chruscht-schow und beendete sie in der Zeit der Stagnation unter Breschnew. 1969 absolvierte er das Moskauer chemisch-technische Institut.

Start bei Phillips Petroleum

Kukes' Weg in Amerika war von Anfang an mit dem schwarzen Gold verbunden. Nach einer zweijährigen Uni-Lehrtätigkeit wurde er mit 33 Technischer Direktor des Ölunternehmens Phillips Petroleum, ab 1986 beim Konzern Amoco. Es waren die heißen postsowjetischen Jahre in Russland, als Kukes 1995 wieder nach Moskau zurückkehrte. Als Vizepräsident für Marketing und Ölverarbeitung im Konzern Amoco Eurasia wandte er erstmals die westlichen Erfahrungen in seiner Heimat an. Umgehend begann sein Kontakt mit Chodorkowski, und schon 1996 landete er als Erster Vizepräsident beim jungen Ölkonzern Yukos. Gerade dass er 1998 zum Konkurrenzunternehmen Tjumenskaja Neftekompanija (TNK) wechselte und dort bis Juni dieses Jahres Präsident war, macht ihn heute für Yukos, dessen Direktorium er seit Juli vorsitzt, wertvoll.

In diesem Jahr fusionierte TNK mit British Petroleum (BP) - die größte ausländische Privatinvestition in der russischen Geschichte. Kukes selbst wickelte den Deal ab. Eine ähnliche Aufgabe steht dem seit drei Jahren auch als politischer Berater in den USA Tätigem möglicherweise nun bei Yukos bevor. Schließlich plant der US-Ölmulti Exxon seit einiger Zeit einen Einstieg bei Yukos.

Segen von Chodorkowski und Sibneft

Kukes hat nicht nur den Segen Chodorkowskis, sondern auch den von Sibneft, dessen Aktionäre noch vor Chodorkowskis Verhaftung die Kandidatur Kukes' zum Chef des derzeit aus Yukos und Sibneft bestehenden, weltweit viertgrößten Ölriesen "Yukossibneft" vorschlugen.

Bei seinem ersten Auftritt hat Kukes einmal gelassen Investoren beruhigt. Es habe lediglich Personalrochaden im Yukos-Konzern gegeben, die Firmenstrategie werde sich nicht ändern. Nur er selbst werde wieder mehr in Moskau und Sibirien sein. (DER STANDARD Printausgabe, 5.11.2003)

Ein Kopf des Tages von Eduard Steiner
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