Eine "Einigung" und weitere Zerwürfnisse

Claus Philipp, 21. November 2003, 19:16

Turbulenzen rund um Diagonale halten an

Wien - Die Turbulenzen rund um die "neue" Diagonale unter Miroljub Vuckovic und Tillmann Fuchs haben zu Wochenbeginn einen neuen Höhepunkt erreicht - ironischerweise durch eine "Einigung", die Vuckovic und Fuchs nach Verhandlungen mit dem österreichischen Produzentenverband an die Medien übermittelten:

Man werde, so die Diagonale-Leiter, die wegen ihrer Höhe umstrittenen Diagonale-Preisgelder von insgesamt 285.000 auf 135.000 Euro reduzieren, dafür aber ohne Auflagen vergeben; das Festival werde anstatt der angekündigten neun nur noch sechs Tage dauern; weiters würden die diversen Filmverbände, Sixpackfilm oder etwa der ORF eingeladen, als ordentliche Mitglieder mit Sitz und Stimme in der Generalversammlung dem Verein der Diagonale beizutreten, denn, so Miroljub Vuckovic: "Wir wollen eine breitestmögliche Zusammenarbeit mit den Filmschaffenden erreichen."

Rücktrittsforderung

Während der Produzentenverband dies ausdrücklich "begrüßt" und dem neuen Diagonale-Verein nun auch beitreten will, verleihen die zwei heimischen Regieverbände und der Dokumentarfilmverband ihrem Unmut ungebrochen Ausdruck: Die Verhandlungen zwischen Diagonale und Produzenten seien "ohne Einbindung der Verbände" erfolgt. Nicht eingelöst sei zum Beispiel deren "zentrale Forderung": der Rücktritt von Vuckovic und Fuchs. Man unterstütze also weiterhin "das eigentliche Festival des österreichischen Films, welches von den Filmschaffenden unter dem Motto ,Wir sind die Diagonale' selbst im März 2004 in Graz organisiert werden wird".

Diese "eigentliche Diagonale", die der Produzent Alexander Dumreicher-Ivanceanu gegenwärtig gegen die "von oben verordnete ,Morakonale'" positioniert und organisiert - sie ist dem Vernehmen nach "weit gediehen". Dumreicher-Ivanceanu meinte dem STANDARD gegenüber: "In Sachen Finanzierung habe ich nächste Woche wieder eine Besprechung in Graz." Die Zeichen, dass von eine Mehrheit aus SP, Grünen und Kommunisten im Grazer Rathaus eine Subvention der "eigentlichen Diagonale anstelle der ,Morakonale'" durchsetze - sie stünden nicht schlecht. "Und die Solidarität der Regisseure ist begeisternd."

Was, wenn dann die Fuchs/ Vuckovic-Diagonale abgesagt werden müsse? Ivanceanu: "Dann wird es 2005 wohl wieder eine einzige österreichische Jahresfilmschau geben." Was, wenn der Bund diese nicht mehr finanziere? Ivanceanu: "Der Bund kann sich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen." Das, was Vuckovic, Fuchs und der Produzentenverband jetzt versucht hätten, sei nur der Versuch einer "nachträglichen Legitimierung einer Fehlentscheidung". (DER STANDARD, Printausgabe vom 4.11.2003)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.