Beim Zeitunglesen schon fast erwachsen

7. Juli 2005, 15:47
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Die Mär von der Couchkartoffel: Jugendliche verbringen viel weniger Zeit vor TV

Wien - Null Bock auf Zeitung, dafür endlos lange vor dem Fernseher abhängen? Es ist ein weit verbreitetes, nichtsdestotrotz hoffnungslos verfälschendes Vorurteil, mit dem sich der Jugendliche von heute herumschlagen muss.

Tatsächlich lesen junge Leute zwischen 14 und 24 Jahren weniger Tageszeitungen als die Gesamtbevölkerung. Die Differenz fällt jedoch geringer als vermutet aus: 66 Prozent der 14- bis 24-Jährigen haben in Österreich laut Mediaanalyse regelmäßig eine Tageszeitung in der Hand. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt im Vergleich dazu bei rund 77 Prozent. In ihren Vorlieben unterscheiden sich die Kids ebenso wenig von den Großen: "Kronen Zeitung" liegt vor "Kleine Zeitung" und "Kurier", danach folgen STANDARD und "Presse".

Insgesamt lesen Junge heute zwar weniger Tageszeitung als noch vor fünf Jahren, und zwar um 14,5 Prozent. Das Phänomen trifft allerdings nicht nur Jugendliche, sondern die Gesamtbevölkerung und entspricht gar einem einem europaweiten Trend.

Bei Zeitschriften und Magazinen deckt der News-Verlag den Jugendmarkt praktisch zur Gänze ab: "News", "tv media" und "e-media" dominieren eindeutig. Politische Magazine unterscheiden sich wie im Fall von "profil" oder "Falter" wenig vom Bevölkerungsschnitt.

Ihre ganz speziellen Themeninteressen decken Jugendliche mit Musik-, Sport-, PC-/Spielemagazine oder Comics ab. Jugendzeitschriften wie "Bravo", "RennbahnExpress" oder mädchenspezifische Titel wie "Mädchen" werden laut Jugendradar vor allem von den Jüngeren gelesen. Später verlieren diese "Special Interests" an Bedeutung.

ORF turnt ab

Ungeachtet des Internetbooms stehen TV und Radio an vorderer Stelle. Die Gruppe der "Couchpotatoes" lässt sich unter den 14- bis 24-Jährigen dennoch nicht festmachen. 70 Prozent der Bevölkerung sitzt pro Tag mindestens 15 Minuten vor dem Fernseher, bei den Jugendlichen sind es gerade 53 Prozent. Auch wenn sie selbst "Fernsehen" gleich nach "Musikhören" als liebste Freizeitbeschäftigung angeben.

Öffentlich-rechtliches TV hat unter Österreichs Jugend einen schweren Stand. Trotz leidenschaftlicher Versuche, mit Formaten wie "Starmania" oder "Dismissed" junge Leute vor den Fernseher zu locken, sehen 41 Prozent ORF-Programme, insgesamt sind es 62 Prozent.

Beim Radio werden die Jungen ihrem Ruf gerecht: Sie sind die Innovativeren, lassen sich schneller auf neue Angebote ein: 29,9 Prozent schalten bereits regelmäßig Private ein, 22,5 Prozent ORF-Radios, hauptsächlich Ö3 und FM 4.

Dass Jugendliche mitunter an "ernsthaften Themen" interessierter sind, als das so manche Studie glauben machen möchte, zeigt der Rücklauf auf die STANDARD-Jugendserie: 3694 Schülerinnen und Schüler nützten die Möglichkeit eines kostenlosen STANDARD-Kurzabos. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2003)

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