Gespannte Buben, entspannte Mädchen

7. Juli 2005, 15:47
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Internet gehört für die Jugendlichen zum Alltag - und das stundenlang - Geschlechtsspezifischer Unterschied bereits beim PC-Besitz

Ob surfen, mailen oder chatten, Musik hören oder Games spielen: Österreichs junge Generation stellt in allen Bereichen laut Mediaanalyse 2003 die größte Usergruppe dar. 80 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren sind zumindest einmal wöchentlich im Netz, 50 Prozent sogar täglich. Im Vergleich dazu: Lediglich 27 Prozent der Gesamtbevölkerung gehen täglich online.

Die meisten Jugendlichen sitzen stundenlang vor dem Computer. Und kommunizieren mit ihren Freunden übers Internet: 66 Prozent der Jugendlichen versenden täglich E-Mails. In Chats, Newsgroups und Foren sind sie mit 45 Prozent fast viermal so oft vertreten wie die Erwachsenen. Musikhören und -herunterladen übers Internet gehört für sie zum Alltag.

Obwohl Österreichs Jugendliche zwischen 14 und 19 bezüglich des Geschlechts beinahe zu gleichen Teilen als User vertreten sind, differieren Art und Dauer der Internetnutzung beträchtlich, wie aus dem Bericht zur Lage der Jugend in Österreich 2003 hervorgeht. Allgemein gilt: Mädchen sind zwar öfter online, jedoch im Durchschnitt nur eine halbe Stunde. Bei den Burschen dagegen benutzen 15 Prozent das Netz täglich, zwölf Prozent sind sogar länger als vier Stunden online. Nicht immer zur Freude der Eltern: Bei 70 Prozent der Mädchen und 62 Prozent der Burschen wird die Dauer von den Eltern beeinflusst.

Der geschlechtsspezifische Unterschied beginnt bereits beim PC-Besitz. Während fast die Hälfte der männlichen Jugendlichen einen eigenen Computer besitzt, ist es bei den Mädchen nur jede Dritte. Dies hängt möglicherweise mit dem Vorurteil zusammen, dass Technik nach wie vor als "männlich" gilt und besonders Väter ihren Söhnen eher einen PC schenken als ihren Töchtern. Mädchen werden auf den Familiencomputer verwiesen - um damit in erster Linie zielgerichtet zu lernen.

In diesem Zusammenhang fällt auch der unterschiedliche Erwerb von Computerkompetenz und die Einstellung zum Medium Internet auf. Die Mehrheit der Burschen gelangt durch einen spielerischen Umgang, oft gemeinsam mit Freunden, zu einschlägigen Kenntnissen. Im Vergleich dazu haben Mädchen ihre Fähigkeiten zum überwiegenden Teil in der Schule erworben. Sie stehen dem Internet prinzipiell kritischer gegenüber und schätzen primär die Möglichkeit der sozialen Interaktion durch E-Mails, Chatten und Foren sowie die gezielte Suche nach Informationen. Burschen sehen das Internet vorwiegend als virtuellen Abenteuerspielplatz. Bei Buben sind Action-, Strategie- und Sportspiele angesagt, Mädchen bevorzugen dagegen Gesellschaftsspiele. Dabei verdeutlicht auch die Funktion der Spiele geschlechtsspezifische Differenzen: Burschen suchen Spannung, Mädchen Entspannung. (Dagmar Buchta/DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2003)

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    foto: photodisc
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