Internet-Provider prüfen Klage gegen Telekom Austria wegen ADSL

19. Jänner 2000, 15:02

TA hat noch kein Angebot vorgelegt - Telekom Control braucht noch einige Wochen für Prüfung auf Quersubventionierung bei TA

Wien - Bis gestern hätte die Telekom Austria (TA) dem Dachverband der Internet Service Provider (ISPA) ein Angebot für die neue Internet-Hochgeschwindigkeits-Technologie ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line) vorlegen müssen. Heute, Dienstag, teilte sie der ISPA mit, dass sie kein Angebot legen werde, bis die Regulierungsbehörde Telekom Control ihre TA-Prüfung auf Quersubventionierung bei ADSL-Diensten abgeschlossen habe. "Wir prüfen nun eine wettbewerbsrechtliche Klage gegen die TA wegen Unterlassung der Angebotslegung und Ausnützung der marktbeherrschenden Stellung", sagte ISPA-Generalsekretär Kurt Einzinger.

Die TA, die als einziger Anbieter den direkten Draht über Kupferkabel in die Haushalte (sog. letzte Meile) hat, bietet seit 15. November über ihre Tochter A-Online ihren Kunden ADSL an. Laut Telekom Control muss die TA aber als marktbeherrschendes Unternehmen gemäß dem Diskriminierungsverbot neue Dienste auch anderen Internet-Providern anbieten und die Tarife dafür kostenorientiert gestalten. ADSL erlaubt neben schnellerem Surfen und Laden von Daten u.a. auch das Surfen bei gleichzeitigem Telefonieren sowie die Nutzung neuer Multimedia-Dienste wie beispielsweise von Videokonferenzen.

Telekom Control: Verfahren wird noch einige Wochen dauern

Die Telekom Control prüft seit Dezember, ob die ADSL-Leistungen der TA kostenorientiert angeboten werden. Das kostenrechnerische Verfahren werde aber noch einige Wochen dauern, hieß es heute aus der Telekom Control.

Die Verhandlungen zwischen TA und ISPA ziehen sich schon seit Wochen. Ursprünglich hätte die TA bis 20. Dezember ein Angebot vorlegen müssen, nun wurde auch der Termin vom 17. Jänner nicht eingehalten. "Dass die TA noch auf das Prüfungsergebnis der Telekom Control wartet, hätte sie uns auch schon Anfang Dezember sagen können", kritisierte Einzinger. "Wir glauben, dass die TA nicht ernsthaft verhandeln will und fühlen uns 'gepflanzt'."

ISPA: Telekom-Strategie ist uns unklar

Die Strategie der TA sei der ISPA unklar. "Zahlreiche Beispiele - etwa der Bereich Mobilfunk - hätten gezeigt, dass Wettbewerb die Kundenzahlen steigen lässt. Auch würde die TA davon profitieren, ADSL auch anderen Anbietern zur Verfügung zu stellen", so Einzinger. (APA)

Telekom Austria weist ISPA-Vorwürfe zurück

"Die Telekom Austria fährt keine Verzögerungsstrategie", konterte die Telekom Austria am Dienstag die Vorwürfe des Dachverbands der Internet-Provider (ISPA). Auch die TA habe das Ziel, die ADSL-Technologie den anderen Internet-Providern möglichst rasch zur Verfügung zu stellen. Derzeit seien jedoch noch technische und administrative Details zu klären.

Die Telekom Control (TKC) habe im Rahmen ihrer Prüfung der Kostenorientiertheit des TA-Angebots von ADSL erst kürzlich weitere Fragen zum ADSL-Produkt gestellt wurden, deren Beantwortung derzeit im Laufen sei.

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