Bertelsmann profitierte von der Nazizeit

18. Jänner 2000, 11:47

Ein Viertel der Buchproduktion für die Wehrmacht verlegt - Bisher selbstauferlegte Opferrolle widerlegt

Anders als bisher behauptet gehörte der Bertelsmann-Konzern, wie Heise berichtet, nicht zu den Geschädigten der Nazi-Diktatur, sondern zu den Profiteuren. Das gab am gestrigen Montag, dem 18. Januar 2000, eine von Bertelsmann eingesetzte Kommission von Historikern bekannt.

Noch 1998 hatte Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff bei der Annahme einer Auszeichnung in New York erklärt, sein Konzern habe im Zweiten Weltkrieg zu den wenigen nichtjüdischen Medienbetrieben gehört, die von den Nazis auf Grund von Papiermangel geschlossen worden seien. Diese Äußerung hatte Zweifel an der Rolle des Konzerns in der Nazizeit heraufbeschworen. Bertelsmann berief dann selbst eine unabhängige Historikerkommission ein, um den Sachverhalt zu klären.

Nach einem Jahr Forschungstätigkeit wurden nun in München erste Ergebnisse der von Saul Friedlaender angeführten Kommission bekannt gegeben. Der Verlag sei nicht wegen seiner "oppositionellen Haltung" geschlossen worden, sondern wegen "unrechtmäßiger Papiereinkäufe", stellte das Untersuchungsgremium fest. Inzwischen ist bekannt, dass Bertelsmann im Zweiten Weltkrieg mehr als ein Viertel der Buchproduktion für die Wehrmacht verlegt hat. Neben dem Gütersloher Stammhaus waren im Baltikum, in Böhmen und Mähren über 100 Druckereien mit der Herstellung von Soldatenlektüre beschäftigt. Eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse findet sich auch auf der Homepage von Bertelsmann. (Heise)

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