Eingesparte Information

2. November 2003, 12:00
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Zur Rolle von Frauenarchiven und -bibliotheken im Vorfeld des UNO-Weltgipfels

Wien - Information ist ein öffentliches Gut, das nicht zu einer privatwirtschaftlich gehandelten Ware werden darf. Darauf wiesen die Teilnehmerinnen der Fachtagung der feministischen Informations- und Dokumentationseinrichtungen Ende Oktober in Wien hin. Das Recht auf Information und Kommunikation ist – wie schon von der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking gefordert – ein Menschenrecht auch und besonders für Frauen, das es zu verteidigen und in vielen Ländern auch erst zu erkämpfen gilt. Das wurde im Hinblick auf den UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS), der im Dezember in Genf stattfindet, betont. Die Tagungsteilnehmerinnen kritisierten die rein technische Ausrichtung des WSIS und forderten einen Genderfokus bei allen Themenbereichen dieser wichtigen Konferenz.

Organisiert wurde die Tagung von den Wiener Einrichtungen STICHWORT und Frauensolidarität im Auftrag von frida, der Vernetzung frauenspezifischer Informations- und Dokumentationseinrichtungen in Österreich.

"Gedächtnis der Bewegung"

Frauenarchive und -bibliotheken haben seit den Siebzigern eine wichtige Stellung in der Neuen Frauenbewegung, sie fungieren einerseits als "Gedächtnis der Bewegung" und dokumentieren die bis heute mühsamen Schritte zur Erlangung umfassender Frauenrechte. Andererseits bieten sie Grundlagen für Forschungs-, Bildungs- und Informationsarbeit und leisten so einen essentiellen Beitrag zu Gleichstellungspolitik und Menschenrechten.

Fraueninformationseinrichtungen in aller Welt sind Mittlerinnen zwischen den Informationsreichen und den Informationsarmen, sie unterstützen den Zugang von Frauen zu dieser wichtigen Ressource zur Verbesserung der Lebensbedingungen und fördern damit das Empowerment von Frauen. Eine Gesellschaft, die Frauen als Quelle, Produzentinnen und Nutzerinnen von Information ausschließt und die geschlechtsspezifische Diskriminierung ausblendet, habe nicht das Recht, sich als Informationsgesellschaft zu bezeichnen. Das stellten die Vertreterinnen von rund 30 Einrichtungen bei der Tagung klar.

Eingespart

Den Chancen der Technik stehen die tristen finanziellen Rahmenbedingungen gegenüber, die sich durch die gegenwärtige Sparpolitik im Bildungssektor wie im frauenpolitischen Sektor verschärfen. In den vergangenen Jahren mussten viele Fraueninformationsstellen im deutschsprachigen Raum trotz steigender Nachfrage wegen öffentlicher Mittelkürzung schließen.

Gesellschaftspolitisch wichtige Information sei so bereits verloren gegangen. Frauenbibliotheken müssten sich heute entscheiden, ob sie die ohnehin geringen Gelder in die Technik oder die inhaltliche Arbeit investieren – "und das in einem Arbeitsbereich, der beides gleichermaßen benötigt", so frida in einer Aussendung. (red)

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