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Orginal Soundtrack zum Film "Herr Lehmann" erschienen bei Mute Records (2003).
Erinnern wir uns an dieses aussterbende Relikt - die persönliche Musikkassette, auf der man seine Lieblingssongs zusammen stellte. Die hatte jeder. 90 Minuten Lebensphilosophie. "Rec" und "Play" gleichzeitig drückend und hoffend, dass kein Moderator dazwischen quatschte. Tapen und sich bei Darkwave und Elektronik-Pop das "Bitte überlassen Sie den älteren Personen die Sitzplätze" aus den Ohren blasend.
In dieser Weise wird Lehmanns Ausspruch, Musik existiere nur, damit sich die Menschen ungestört anschreien können, klar… Andersrum gedacht stimmt diese Bemerkung für den Soundtrack nämlich in keiner Weise. Jeder Song für sich ist schon eine besondere Perle, in der Zusammenstellung reihen sie sich zu einem kleinen Schatz.
"Intependent Nostalgie für Fortgeschrittene"
Die Eels, The Jazz Butcher, Fad Gadget, Element Of Crime, Lexy & K-Paul feat. Element Of Crime, Violent Femmes, Laibach, Nick Cave And The Bad Seeds, Ween, Phantom/Ghost, Anita Lane, Cake und Calexico. Keine stilistische Basis, schon eher wie eine leibhaftige Achterbahn, laut und leise, zart und aufdringlich, schwankend zwischen Depression und Euphorie und, was den Einsatz der Songs im Film betrifft, immer in der passenden Situation mit dem freundlichen Zaunpfahl bei der Hand.
So wird hier die New Wave/Elektronik Koryphäe Fad Gadget mit seinem umwerfenden Titel "Collapsing New People" ausgegraben. Laibachs Achtziger-Jahre Version von "Across The Universe" ist Geschmackssache, aber so elegisch "Nothing´s gonna change my world" gesungen wird, so weh- und gleichmütig lehmannt Hauptdarsteller Ulmen durch den Film. Die Version der Partisanenhymne "Bella Ciao" von Anita Lane lässt in betörend-düsterer Stimmung zurück, kämpferisch ist die Version nicht, ganz wie Lehmann selbst, der nicht um seine Liebe, nur um das letzte Wort kämpft.
"Buch, Film, Platte - zwei Meisterwerke"
Die Achterbahnfahrt der Compilation bringt Süffisant-Bissiges wie Jazz Butchers "Soul Happy Hour", Zynisches wie den "HIV-Song" von Ween, das rotzige "Blister in the Sun" von den Violent Femmes, Cake's fabelhafte Interpretation von Gloria Gaynor's "I Will Survive", die im Film zwischen Abschieden und Willkommensheißungen rund um den Mauerfall angesiedelt wird, das schmachtende "Something's Gotten Hold of My Heart" von Nick Cave & The Bad Seeds und das tragisch-düstere "Buenas Tardes Amigo" von Ween. Ein besonderes Schmuckstück in der Schatzkiste: "Phantom and Ghosts" von Phantom/Ghost alias Dirk von Lowtzows und Thies Mynthers.
Der erste Track, die erste Textzeile von "Novocaine for the Soul" von Eels stellvertretend für das Wissen um die Unmöglichkeit ..., aber das ist eine andere Geschichte.
Life is hard, and so am I,
You better give me something, so I don' t die
Und dann ist schon mal der Herbst gerettet und vielleicht das ganze Leben. Bis denn dann ...(schatz)
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