Der neue zweitstärkste Mann im Kreml

31. Oktober 2003, 12:47
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Mit Dmitri Medwedjew ist wieder ein St. Petersburger aufgestiegen

Moskau - In den Lebensläufen von Präsident Wladimir Putin und dem neuen Kreml-Stabschef Dmitri Medwedjew lassen sich zahlreiche Parallelen und ein wichtiger Unterschied finden. Beide stammen aus Leningrad, dem heutigen St. Petersburg. Sie studierten dort Jus an der Staatlichen Universität, machten gemeinsam unter dem Reformer Anatoli Sobtschak Karriere und wechselten später in die Hauptstadt Moskau. Doch im Gegensatz zu Putin und den meisten seiner Gefolgsleute war der 1965 geborene Medwedjew kein Agent des Geheimdienstes KGB.

Enger Vertrauter Putins

Dmitri Medwedjew zählt seit Jahren zu den engsten Vertrauten Putins, der Medwedjew 1999 nach Moskau holte. Als Stellvertreter des am Donnerstag entlassenen Leiters der Präsidialverwaltung, Alexander Woloschin, herrschte Medwedjew über eines der wichtigsten Utensilien der Macht im Kreml - Putins Terminkalender. Medwedjew entschied, wer eine Audienz beim Präsidenten erhielt und wer nicht. Im Dauerkonflikt zwischen der so genannten Jelzin-Familie um Woloschin und Putins Leuten aus St. Petersburger Zeiten soll Medwedjew eine vermittelnde Rolle gespielt haben. Woloschin selbst soll seinen jungen Stellvertreter mehrfach öffentlich gelobt und ihn als Nachfolger vorgeschlagen haben.

Großer Einflussbereich

Der Einfluss des 38-jährigen Medwedjew auf die Geschicke des Riesenreiches Russland wächst seit Jahren deutlich. Als Aufsichtsratsvorsitzender kontrolliert er die Geschäfte des gigantischen halbstaatlichen Gaskonzerns Gazprom. Medwedjew machte sich für Putin unentbehrlich, als er im Jahr 2000 den äußerst erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf für den bis dahin in der Öffentlichkeit nur wenig bekannten Putin leitete. Der promovierte Jurist Dmitri Medwedjew ist verheiratet und Vater eines Sohnes. (APA/dpa)

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