Kühler Nieselregen gibt Brandbekämpfern kurze "Atempause"

31. Oktober 2003, 11:58
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Flammen in San Bernardino weiter außer Kontrolle - Zwei neue Tote - Schwarzenegger ehrte Feuerwehrleute als "wahre Helden"

Los Angeles - Kühlere Temperaturen und leichter Nieselregen haben den Feuerwehrleuten in Südkalifornien am Donnerstag zum ersten Mal eine Atempause in ihrem seit Tagen anhaltenden Kampf gegen die verheerenden Brände verschafft. Dennoch blieben die verheerendsten Feuersbrünste außer Kontrolle. Im Bezirk San Diego nahe der mexikanischen Grenze kamen zwei weitere Menschen ums Leben, damit starben bisher 22 Menschen. Bei einem Besuch der Katastrophengebiete feierte der designierte Gouverneur Arnold Schwarzenegger die Brandbekämpfer als "wahre Helden". Während seines verkürzten Washington-Besuchs bat er um mehr Bundeshilfen.

"Gute Nachricht"

In den meisten Regionen begannen die Brandbekämpfer, die Flammen einzudämmen. Die sinkenden Temperaturen und der leichte Regen in einigen Gebieten seien "eine gute Nachricht", sagte ein Feuerwehrsprecher. Doch dadurch allein könnten die Brände nicht gelöscht werden: "Wir haben noch viel harte Arbeit vor uns", fügte er hinzu. Nach seinen Schätzungen wird es selbst bei günstigen Witterungsbedingungen noch mindestens eine Woche dauern, bis die Brände vollständig unter Kontrolle sind. Diese erstreckten sich bereits auf ein Gebiet von rund 3.000 Quadratkilometern - das ist mehr als die Fläche des Saarlands. Rund 3.000 Gebäude wurden bisher vernichtet und 105.000 Menschen in die Flucht getrieben.

Schwarzenegger: "Feuerwehrleute sind wahre Helden"

Schwarzenegger zeigte sich von der Leistung der Feuerwehrleute tief beeindruckt. In seinen Filmen habe er häufig Helden gespielt. Doch sei es etwas anderes, in der Wirklichkeit "sein eigenes Leben zu riskieren, um andere zu retten," sagte der Hollywood-Schauspieler beim Besuch der Region San Bernardino, in der die Brände am schwersten wüteten. Nach seinen Angaben warb er bei seinen Gesprächen mit Abgeordneten und Regierungsvertretern in Washington, darunter auch mit Vize-Präsident Richard Cheney, um größere Unterstützung für den krisengebeutelten Bundesstaat. Wie er als Gouverneur für die Kosten der Katastrophe aufkommen will, die schon jetzt auf zwei Milliarden Dollar geschätzt werden, ließ Schwarzenegger offen.

Die drei heftigsten Brände wüteten nahe der kalifornischen Großstädte Los Angeles und San Diego. Im Bezirk San Diego verwüstete das Feuer ein Gebiet von 109.000 Hektar. Ein ganzes Dorf mit 300 Gebäuden ging dort in Flammen auf. Im Bezirk San Bernardino, rund 80 Kilometer östlich von Los Angeles, wurden rund 56.000 Hektar Land zerstört, 90.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Auch das luxuriöse Ferienressort Lake Arrowhead in den Bergen von San Bernardino fiel den Flammen zum Opfer. 350 Häuser, zumeist Luxusvillen, wurden dort vernichtet. Das dritte große Feuer tobte in Simi Valley bei Los Angeles. Ein Feuerwehrmann verglich die zerstörerische Kraft der Flammen mit einer "Atomkatastrophe".

Zehntausende weiter in Notunterkünften

Zehntausende harrten weiter in Notunterkünften aus. Die meisten Flüchtlinge schliefen in überfüllten Hallen oder Zelten; manche mussten gar in einem Campingbett unter freiem Himmel den Ascheregen ertragen. Eine Vertreterin des Krisenstabs kümmern sich psychologisch geschulte Betreuer um die Opfer; viele hätten Job und Heim gleichzeitig verloren und seien traumatisiert. Es sei einfach "eine Tragödie, dass ganze Gemeinden ausgelöscht wurden", seufzte sie.

Die Behörden gingen davon aus, dass die meisten Feuer vorsätzlich gelegt worden waren. Die Fahndungen nach mutmaßlichen Tätern verliefen zunächst jedoch erfolglos. In San Bernardino hatte die Polizei das Phantombild eines mutmaßlichen Täters veröffentlicht. (APA)

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