ElBaradei: Iran lieferte vor Ablauf des Ultimatums "bessere Informationen"

31. Oktober 2003, 18:22
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Einige Fragen laut Chef der Atomenergiebehörde aber noch offen - Mit Infografik

Berlin - Zum Ablauf des Ultimatums, das sie dem Iran zum Nachweis der friedlichen Ausrichtung seines Atomprogramms gestellt hatte, liegen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO bzw. IAEA) nach Einschätzung ihres Chefs bessere Informationen des Irans zu dessen Atomprogramm vor. Die IAEA prüfe den iranischen Bericht zwar noch, sagte IAEA-Chef Mohamed El Baradei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Frage danach, ob die Behörde besser informiert worden sei als früher, beantwortete er jedoch mit einem klaren Ja. "Wir haben auch Zugang zu allen Orten erhalten, wie wir es wollten", sagte er in dem Interview.

El Baradei schloss aus, dass er bereits bei der nächsten Sitzung des Gouverneursrats der IAEA am 20. November eine abschließende Einschätzung des iranischen Berichts abgeben könne. "Mein Gefühl ist, dass wir einige Fragen werden beantworten können. Es gibt aber andere, die wir noch nach November untersuchen werden müssen", sagte er und verwies auf notwendige technische Analysen. Im November werde er zunächst darstellen, "was der Iran zugegeben hat und was noch getan werden muss." Der Gouverneursrat kann den Streit um das iranische Atomprogramm an den UNO-Sicherheitsrat überweisen, der wie im Falle des Iraks Sanktionen gegen das Land erlassen kann, um eine Offenlegung des Programms zu erreichen.

Zu der von seiner Behörde geforderten Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag sagte ElBaradei, dass er in dieser oder der nächsten Woche einen Brief des Irans erwarte, "der ihr Einverständnis zum Ausdruck bringt, das Protokoll zu unterzeichnen."

Grundsätzlich sprach sich ElBaradei für weitergehende Kontrollen nationaler Atomprogramme aus. "Einer der zentralen Punkte ist die Aufsicht über Uran und Plutonium" - Materialien, die sowohl bei der zivilen Nutzung von Atomenergie als auch beim Waffenbau genutzt werden. Mit der Verbreitung von Fachwissen sei der Erwerb von waffenfähigem Material das wichtigste Element der Nuklearrüstung geworden. Deshalb müsse dieses Material unter eine multilaterale Kontrolle gestellt werden, "etwa unter Aufsicht regionaler Zentren". (APA/Reuters)

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