Sharon erklärt Differenzen mit Armeechef für ausgeräumt

31. Oktober 2003, 16:32
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General Yaalons Warnung bewirkte Einlenken der Regierung

Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat die Meinungsverschiedenheiten mit Generalstabschef Moshe Yaalon über den Kurs gegenüber den Palästinensern für beendet erklärt. Sharon betrachte die "Angelegenheit als abgeschlossen", berichtete das israelische Radio. Sanktionen gegen den General seien nicht vorgesehen, hieß es am Freitag unter Berufung auf enge Mitarbeiter Sharons. Laut Medienberichten soll Sharon in einer ersten Reaktion wutentbrannt auf die Kritik Yaalons reagiert und dem Armeechef die Wahl zwischen einer Entschuldigung und Rücktritt gelassen haben.

Die Regierung hat unterdessen Gesprächsbereitschaft gegenüber der palästinensischen Führung signalisiert. Verteidigungsminister Shaul Mofaz wolle sich in der kommenden Woche mit hochrangigen Vertretern der Palästinenser treffen, berichtete der israelische Rundfunk. Neue Kontakte und ein Dialog seien im Interesse Israels, sagte Mofaz. Es müsse alles unternommen werden, um den Palästinensern die Bildung einer Regierung zu ermöglichen, mit der verhandelt werden könne.

Yaalon hatte in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten vor einer Katastrophe in den palästinensischen Gebieten gewarnt. Das harte Vorgehen gegen die palästinensische Bevölkerung schade den Interessen Israels. Die Palästinenser im Westjordanland und im Gaza-Streifen könnten keine Hoffnungen und keine Erwartungen haben, sagte der Offizier. "Es vermehrt den Hass auf Israel und stärkt die Terrororganisationen", wurde er zitiert. Yaalon führte fehlende Zugeständnisse an die palästinensische Regierung, Reisebeschränkungen während der Erntezeit und den Verlauf der umstrittenen Sperranlage im Westjordanland als Beispiele an. Der Generalstabschef machte Sharon für das Scheitern von Palästinenser-Premier Mahmud Abbas (Abu Mazen) verantwortlich und kritisierte, dass die Position von Präsident Yasser Arafat gestärkt worden sei, indem Israel ihm die Entfernung aus dem Amt angedroht habe. (APA/dpa)

  • Israels Premier Sharon und Generalstabschef Yaalon (rechts) auf einem Archivbild.
    foto: epa/afpi/maya vidon

    Israels Premier Sharon und Generalstabschef Yaalon (rechts) auf einem Archivbild.

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