Sharon wegen Korruptionsaffäre vernommen

31. Oktober 2003, 10:15
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Vorwürfe der Bestechung und Geldwäsche

Jerusalem - Korruptionsermittler haben am Donnerstag den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon in zwei Äffaren um illegale Geldspenden vernommen. Der Premier sei am Morgen in seiner Residenz in Jerusalem befragt worden, berichteten israelische Medien. Die Beamten prüften Vorwürfe der Bestechung und Geldwäsche. Die Ermittlungen seien erschwert, weil Transaktionen über Österreich abgewickelt und israelischen Polizisten dort keine Vernehmungen erlaubt worden seien.

Unrechtmäßige Wahlkampfspenden

Sharon steht laut Medienberichten im Verdacht, unrechtmäßige Wahlkampfspenden aus dem Jahr 1999 mit Geldern des südafrikanischen Geschäftsmannes Cyril Kern zurückerstattet zu haben. Die Ermittler wollen erfahren, unter welchen Umständen der Südafrikaner Finanzmittel zur Verfügung stellte. In dem zweiten Fall geht es um eine Geschäftsverbindung eines Sohnes von Sharon, der für ein Tourismusprojekt in Griechenland Gelder erhalten haben soll.

Geldtransfer von Wiener Konto

Kritiker der Sharon-Regierung haben die Spendenaffäre mit Österreich in Zusammenhang gebracht: Das Geld soll von einem Wiener BAWAG-Konto an Sharons Söhne transferiert worden sein, um die Rückzahlung eines Kredits für den über Scheinfirmen finanzierten innerparteilichen Likud-Wahlkampf 1999 zu ermöglichen. Die israelische Opposition mutmaßt, dass die Verweigerung eines israelischen Rechtshilfegesuchs durch die österreichischen Justizbehörden mit der Wiederaufnahme vollwertiger diplomatischer Beziehungen in Zusammenhang stehen könnte. Die Arbeiterpartei hat von der Regierung Auskunft darüber verlangt, ob die angekündigte Wiederbesetzung des seit 2000 vakanten Botschafterpostens in Wien mit geschäftlichen Kontakten der Familie Sharon zusammenhänge. (APA/dpa)

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