"Ego-Generation" mit Herz sucht gute Freunde und Geld

7. Juli 2005, 15:48
121 Postings

Noch nie haben so viel Jugendliche gejobbt: Für Kleidung und das Handy - Zwei Drittel wollen einfach das Leben genießen, politisches Engagement ist out

Oona ist 16, besucht ein Gymnasium in Wien und steht auf Basketball, Snowboarden und Shopping. Sie geht gern weg, mag die Red Hot Chili Peppers und kommt gut mit ihrem Taschengeld aus. Alex ist 17, ebenfalls Gymnasiast, und er spielt Basketball mit Oona. Er geht gerne ins Kino, chattet mit seinen Freunden und steht auf Sport.

Österreichs Jugendliche waren noch nie so reich, sie sind als Konsumenten-Zielgruppe für Wirtschaft und Werbung so interessant wie nie. Sie hatten noch nie so viele Chancen, Freizeit-, Sport- und Ausgehmöglichkeiten wie heute. Eltern waren nie zuvor toleranter, und Jugendliche waren nie pragmatischer, Ich-konzentrierter, geforderter als heute. Das sind nur einige der Aussagen aus dem "4. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich", der dem STANDARD exklusiv vorliegt. Ein Vorurteil? Wohl kaum - die Studie wurde von "jugendkultur.at", dem Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung und dem Linzer Marktforschungs-Institut "SPECTRA" durchgeführt - im Auftrag des Generationen-Ministeriums. 1549 Jugendliche und junge Erwachsene wurden zu allen Themen interviewt, die sie selbst betreffen.

Neben Schule und Ausbildung jobben

Die genannten Ergebnisse sind aber nur ein Teil der Wahrheit. Der andere Teil lautet: Noch nie haben so viele 14 bis 19jährige neben Schule und Ausbildung gejobbt: für coole Kleidung, CDs, Kino, Konzerte - und natürlich das eigene Handy. Das Leben teuer. Selbst, wenn man noch zu Hause bei den Eltern wohnt (was 9 von 10 Jugendlichen tun). Das Handy ist auch der Grund, warum sehr viele Jugendliche noch vor ihrer Volljährigkeit Schulden haben - ein neues Massen-Phänomen. Die vielen Möglichkeiten der globalisierten Welt, vor allem, was die Berufswahl betrifft, empfinden Jugendliche oft als "Qual der Wahl". Jeder muss auf sich selbst schauen, nach dem Motto "Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir niemand".

Zwei Drittel der Jugendlichen sagten, sie wollten vor allem ihr Leben genießen, viel Freizeit und gute Freunde haben - den "Sinn des Lebens" zimmern sie sich selbst, kaum eine(r) will sich dauerhaft für ein "höheres Ziel" engagieren, womöglich in der Politik.

Ausgeprägt ist die Sehnsucht nach Freunden, Stabilität und Geborgenheit

Trotzdem wäre es falsch, die "heutige Jugend" als total egoistisch und oberflächlich abzuqualifizieren. Denn die Sehnsucht nach Sicherheit, Stabilität und Geborgenheit ist sehr stark, und erfüllt wird sie vor allem im Freundeskreis. Die Familie als "sehr wichtiger Lebensbereich" kommt oft erst an zweiter Stelle. Dort hat sie aber ihren fixen Platz. So wie bei Oona: Die wohnt gerne zu Hause und findet ihre Familie eigentlich meistens okay. Aber wenn sie die wirklich wichtigen Dinge besprechen will, klemmt sie sich hinter den Computer - und chattet, was anliegt. Zum Beispiel mit Alex.

Neue STANDARD-Serie

Oona und Alex sind zwei von 576.870 Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren, denen DER STANDARD ab sofort zwei Wochen lang in jeder Ausgabe einen Schwerpunkt widmet. Vor allem die Jungen werden erfahren, was sie selbst betrifft: welche Musik gerade angesagt ist, wo sie coole und billige Klamotten kaufen können, welche Lokale angesagt sind - und wohin sie sich wenden können, wenn sie Sorgen plagen oder sich einfach engagieren wollen. Täglich werden Jugendliche ihre Meinung sagen.

derStandard.at und Schüler-STANDARD liefern eigene Beiträge, Chat-Foren und Sonder-Aktionen, nachzulesen unter derStandard.at/Jugend. (stui/DER STANDARD, Printausgabe, 31.10./1./2.11.2003)

  • Oona und Alex sind zwei von 576.870 Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren, denen DER STANDARD  einen Schwerpunkt widmet.
    foto: standard/heribert corn

    Oona und Alex sind zwei von 576.870 Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren, denen DER STANDARD einen Schwerpunkt widmet.

Share if you care.