Mobiliar des Cafe Museum wandert weiter

30. Oktober 2003, 12:38
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Kaiserliches Hofimmobiliendepot erhält eine Garnitur, eine weitere wird im Dorotheum versteigert

Wien - Eine Wiener Tradition ist seit gestern nur mehr im Museum zu bewundern. Eine Garnitur der ehemaligen Einrichtung des legendären Cafe Museum wurde am Mittwochabend offiziell dem Kaiserlichen Hofmobiliendepot (KHMD) übergeben. Das von Josef Zotti 1930 gestaltete Ensemble mit halbrunder Sitzbank soll als ein herausragendes Beispiel österreichischen Designs im 20. Jahrhundert erhalten werden.

Das berühmte Cafe Museum, 1899 von Alfred Loos entworfen, wurde 1931 vom Südtiroler Zotti neu gestaltet. Zu den größten Veränderungen zählten neben dem Abbau der Sitzkassa in der Mitte des Raumes die neuen halbrunden Sitzbänke.

Fünf rote Bänke

72 Jahre hielt die Einrichtung, bis sie heuer im September herausgerissen wurde, um einer Restaurierung des alten Loos-Konzeptes zu weichen. Eine Garnitur, bestehend aus Sitzbank, zwei Tischen, einem Kleiderständer und einem Sessel, wurde dem KHMD nun von der Firma Lichterloh übergeben, die sich die Restexemplare bei den Bauarbeiten sichern konnte.

Die rote Bank mit einem Durchmesser von gut zwei Metern ist eines von fünf erhaltenen Exemplaren. Für das Stück, das ins KHMD kommt, versprach Kuratorin Eva Ottillinger: "Die Bank wird all ihre Geschichten bewahren - und wir werden sie so präsentieren, dass sie sie weitererzählen kann." Ein weiteres wird am 12. November im Dorotheum versteigert. Gerti Draxler, Designexpertin des Auktionshauses, bezifferte den Rufpreis mit 2.000 Euro.

Anekdoten

Anlässlich der feierlichen Übergabe erzählte eine Stammtischrunde aus ihren Erlebnissen mit dem alten Cafe Museum, das vielen nicht nur Wohnzimmer, sondern auch zweites Büro gewesen war. Da amüsierte man sich über den Vanillecafe der amerikanischen Konkurrenz und las ein Grußwort, das Elfriede Jelinek anlässlich des Abends verfasst hatte.

Die Literatin freute sich darin, vom Cafe die stadtbekannten Hypochonder beim Betreten der Apotheke "Zum heiligen Geist" beobachten zu können, "man war ja selbst einer". Ihr sentimentales Resümee: "Ich bin es dieser Behausung schuldig, immer wieder hin zu gehen". (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ersteigerbares aus dem Cafe Museum

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