High Tech macht heuer anderen Branchen mehr Platz

17. Jänner 2000, 21:29

Bank Austria sieht international "Verbreiterung der Favoriten" an den Börsen


Karin Bauer

Wien - High-Tech-Aktien werden im laufenden Jahr zwar ein zentrales Thema der Investorengunst bleiben, allerdings werden sie im Rampenlicht ein bisschen Platz für andere Branchen machen müssen. "Die kleine Korrektur in der ersten Jännerwoche hat gezeigt, dass jetzt mehr ans Licht kommt, nicht nur ein paar Hot Shots", sagt Monika Rosen, Bereichsleiterin für internationalen Research in der Asset Management Gesellschaft der Bank Austria.

Das sei ein "gutes Zeichen", vermerkt die Marktexpertin und erinnert daran, dass im Boom-Jahr 1999, in dem der US-Technologie-Index 86 Prozent gewonnen hatte, rund 80 Prozent der Nasdaq-Titel underperformed haben und auch im S&P 500-Index die Hälfte der Titel in die Kategorie Underperformance gefallen waren. "Gegen die Tech-Aktien ist in den USA und in Europa 1999 ja nichts aufgestanden". (siehe Grafik)

"1999 war ein schwierigeres Aktienjahr, als die Indices erahnen lassen, weil der Aufschwung nur von so wenigen Titeln getragen wurde. Das Motto war ja Tech & Telekom gegen den Rest der Welt."

Zinsschritte

Insofern sei im Jahr 2000 eine "Gesundung" absehbar, also eine "Verbreiterung der Favoriten". Dabei erwartet Rosen vor allem von den Finanztiteln eine gute Entwicklung. Nach dem "Zinsgegenwind" - ein Schritt nach oben wird ja sowohl von der US-Notenbank als auch von der Europäischen Zentralbank erwartet - sollten sich die Kursfesseln der Banktitel in den USA und in Europa lösen.

Die "Morgenluft", erwartet Rosen, werde dann auch den Bond-Portefeuilles der Versicherungen gut tun und damit die Aktienkurse der Assekuranzen steigen lassen. Die Bank Austria rechnet mit einem Zinsschritt von 25 Basispunkten in den USA und 50 Basispunkten in Europa.

Beim Ausblick auf die Branchenentwicklung bleibt Rosen vor allem bei Auto und Pharma mit Wohlwollen hängen. Beide hatten im Vorjahr keine gute Entwicklung vorzuweisen und sollten sich durch Übernahmephantasien und motiviert durch Aufholbedarf heuer vorarbeiten können. Vor allem in Japan sei die Pharma ein "save heaven", aber auch die Exporttitel sollten von dem sich seit Jahresbeginn abschwächenden Yen-Kurs profitieren.

Potenzial sieht Rosen international auch im Energie-Sektor: "Die Titel haben den Ölpreisanstieg ja im Vorjahr noch gar nicht richtig mitgemacht".

Konjunktur-Schub

Vor dem Hintergrund des konjunkturellen Aufschwungs und der steigenden Rohstoffpreise sei in Europa vor allem eine Stärke der zyklischen Aktien, voran die Stahl- und Papiertitel, zu erwarten. Der fortgesetzte Trend zu Fusionen und die erwarteten Gewinnrevisionen der Unternehmen nach oben machten den Ausblick für die Börsen im Euroland 2000 sehr optimistisch.

Die Technologie-Werte hält Rosen nicht nur wegen der hohen Bewertung für Korrektur-gefährdet: "Die Nasdaq korrigiert alle 18 Monate, das stünde demnach im kommenden Frühjahr bevor". Insgesamt hält Rosen einen Negativ-saldo der internationalen Aktienindices im Jahr 2000 für nicht wahrscheinlich. "Beunruhigend" sei jedoch derzeit die Häufung der Gewinnwarnungen von US-Unternehmen. Aber: "Wahljahre waren in den USA noch immer gute Börse-Jahre".

Ein Wort werde das Börse-Geschehen heuer international zweifellos prägen, sagt sie: "Volatilität".

In Europa rücken zyklische Aktien ins Rampenlicht, international sollten Finanz-Titel, aber auch Pharma- und Automobil-Papiere mehr Gunst der Anleger erringen. Das Match "Tech & Telekom gegen den Rest der Welt" werde heuer bereichert, erwartet Monika Rosen für die Bank Austria.
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