Der Tod ist teuer

30. Oktober 2003, 22:39
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Pünktlich zu Allerheiligen wird das "Bestatter-Sterben" beklagt. Dabei verdient die Branche pro Grablegung 3.000 Euro

Linz/Wien - Nichts auf der Welt ist umsonst, auch nicht der Tod - denn der kostet das Leben. Dieser bekannte Spruch bedarf noch der Ergänzung: Der Tod kostet die Hinterbliebenen im Schnitt auch rund 2.500 bis 3.000 Euro. Nicht eingerechnet die Kränze, der Grabstein und der Leichenschmaus. Trotzdem kämpfen immer mehr Bestatter ums wirtschaftliche Überleben.

Preisvergleiche seien zwar schwierig, sagen die gewerblichen Bestatter, da der "Service" von Begräbnis zu Begräbnis recht unterschiedlich sei, bei manchen Friedhöfen gebe es immer noch die "Begräbnis-Klassen", andere haben diese Kategorien inzwischen abgeschafft. In Linz beispielsweise bewegen sich die Kosten für die eigentliche Beisetzung zwischen 400 und knapp 900 Euro. Dazu kommen noch die Preise für den Sarg, die je nach "Modell" zwischen 300 und rund 700 Euro liegen. "Interessanter Weise nehmen die Leute beim Sarg häufig eine billigere Ausführung, dafür wird bei den Blumen nicht aufs Geld geschaut", berichtet Reinhold Anlanger, der Vorsteher der Fachgruppe der Bestatter in der OÖ. Wirtschaftskammer.

Weitere Kostenfaktoren

Die weiteren Kostenfaktoren, die bei einem Begräbnis unvermeidlich sind, reichen von den Friedhofsgebühren über die Sargträger, den Totengräber, den Pfarrer und die Musik bis hin zu den Partezetteln. Damit summiert sich die Sache auf durchschnittliche 2.500 bis 3.000 Euro.

28 Euro Stundenlohn

Die vergleichsweise nicht geringen Kosten fürs Begräbnis sollten aber, so Bestatter-Sprecher Anlanger, nicht täuschen: Es werde für die einschlägigen Gewerbebetriebe immer schwieriger, wirtschaftlich über die Runden zu kommen. "Der Stundensatz eines Bestatters liegt heute nur bei knapp 28 Euro". In Oberösterreich gebe es rund 180 Bestattungsunternehmen, zieht man die 20 größeren ab, so bleiben etwa 160, die meist nicht auf die wirtschaftlich erforderliche Zahl von 120 bis 150 Begräbnissen im Jahr kommen.

"Mit 40 Sterbefällen jährlich kann kein Bestatter überleben, noch dazu, wo man praktisch rund um die Uhr verfügbar sein muss", so Anlanger. Und immer mehr Betriebe seien mit Nachwuchssorgen konfrontiert, "viele Junge wollen sich das nicht antun, und sie übernehmen den väterlichen Betrieb nicht". Es sei daher mit einer zunehmenden Konzentration auf große Unternehmen zu rechnen, bei den kleinen sei ein "Bestatter-Sterben" zu befürchten.

Wenig Platz für Private in Wien

In der Bundeshauptstadt gibt es neben dem ehemaligen Monopolisten Bestattung Wien seit Kurzem auch private Begleiter auf dem letzten: die Unternehmen "Pax" und "Perikles". Der Erfolg dürfte sich allerdings noch in Grenzern halten - Nicht viel mehr als 30 "private" Bestattungen soll es seit September in der Bundeshauptstadt gegeben haben, ist aus Fachkreisen zu erfahren. Die Bestattung Wien allein kommt nach eigenen Angaben auf rund 1.250 pro Monat.

Arno Molinari, Geschäftsführer der Bestattung Wien, gibt sich angesichts solcher Zahlen relativ entspannt. "Man kann miteinander leben und reden", meinte er auf APA-Anfrage zum Verhältnis mit den anderen Firmen. Reagiert habe man kaum auf die private Konkurrenz: Die Tarife seien "überhaupt nicht" geändert worden, von einer "Preisschlacht" könne keine Rede sein.

Durchschnittlich kommt eine Erdbestattung beim Wiener Ex-Monopolisten auf 3.400 Euro, die Feuerbestattung kostet rund 2.600 Euro. Davon seien allerdings weniger als 50 Prozent tatsächliche Leistungen der Bestattung Wien: Den Löwenanteil machen demnach externe Gebühren, etwa für den Friedhof, und zugekaufte Leistungen (Gesang, Partezettel) aus.

Das Unternehmen selbst verrechnet bei Erdbestattungen im Durchschnitt 1.500 Euro, bei Einäscherungen 1.150 Euro. Das billigste Begräbnis (nur eigene Leistungen) kommt bei der Bestattung Wien auf rund 500 Euro.

"Da liegen wir sicher darunter", gibt sich Marc Kohl, Geschäftsstellenleiter von "Pax" in Wien, im Bezug auf Durchschnittspreise überzeugt. Fix sei, dass man etwa den Gesang billiger anbiete. Wegen der unterschiedlichen Tarifmodelle sei ein seriöser Vergleich sonst aber nur schwer möglich und außerdem "de facto egal". Die positiven Reaktionen der Kunden sprächen jedenfalls für sich.

Man biete nämlich ein viel persönlicheres Service an, während es bei den städtischen Bestattern nur die Wahl zwischen einigen Begräbnisklassen gebe: "Ein bisschen angelehnt an den Kommunismus", so die wenig charmante Einschätzung des Privat-Bestatters.

Seit genau einem Monat ist "Pax" am Markt, und über den Geschäftsgang könne man sich nicht beklagen. Man setze auf "langsames Wachsen", so Kohl. Konkreten Zahlen wollte er keine nennen. Die kolportierten 30 Bestattungen habe man aber "mindestens" schon erreicht, meinte er. (APA)

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