Chefarzt-Pflicht: Rauch-Kallat macht Druck auf Hauptverband

31. Oktober 2003, 15:48
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Gesundheitsministerin: "Ich denke, dass das schneller gehen muss"

Die von Gesundheitsministerin Rauch-Kallat geplante Änderung bei der Chefarztpflicht sorgt für Aufregung. Rauch-Kallat gibt Gas und will Anfang 2004 starten. Hauptverbands-Geschäftsführer Probst empfiehlt niedrigeres Tempo und erinnert an die noch computerlosen Ärzte.

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St. Wolfgang - "Ich warte sicher nicht, bis der letzte Arzt ausgestattet ist." Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat machte am Rande der ÖVP-Klubklausur in St. Wolfgang im STANDARD-Gespräch Tempo in Sachen Neuregelung der Chefarztpflicht.

Zu Wochenbeginn hatte sie beim Gesundheitsreformdialog wissen lassen, dass ab 2004 der Gang zum Chefarzt für die Patienten Geschichte sein soll. Künftig werden die Ärzte ihre Entscheidung für ein teures Medikament selbst mit dem Chefarzt der Krankenkasse begründen müssen.

Aus dem Hauptverband kamen vom zuständigen Geschäftsführer Josef Probst vorsichtige Einwände, was das enge Zeitkorsett anlangte. 2004 beginnt immerhin in knapp zwei Monaten.

Rauch-Kallat aber meint den Jahresanfang: "Ende 2004 wäre mir zu spät. Die gesetzliche Regelung soll mit 1. Jänner 2004 in Kraft treten." Dazu müssten im ersten Quartal 2004 die "Rahmen- und Handhabungsbedingungen stehen, damit die Implementierung beginnen kann." - auszuverhandeln vom Hauptverband.

Durch jene Ärzte, die noch nicht computerisiert arbeiten, will sich die Ministerin das Projekt nicht verzögern lassen. In der Anfangsphase könnten Ärzte mit den Chefärzten auch via Fax in Kontakt treten. Prinzipiell müsse es die Chefarztpflicht als "Kontrolle natürlich geben".

Probst sieht sich und den Hauptverband indes zu Unrecht angegriffen und spricht von "gekünstelter Erregung. Wir sind sehr gut vorbereitet, wurden aber vom gewünschten Tempo etwas überrascht. Es wird sehr schwierig, aber es geht." Für ihn gebe es aber einen "Unterschied zwischen ,Ziel vorgeben' und ,Etwas übers Knie brechen' wollen".

Angesichts gescheiterter Projekte wie der Ambulanzgebühr plädiere er für eine "sorgfältige Analyse" und genaue technisch-organisatorische Planung des Projekt. "Wir, Hauptverband und Kassen, sind keine Verzögerer." Im Gegenteil, er "freue" sich über das "politische Ziel".

Man müsse mitdenken, dass nur 80 Prozent der Ärzte mit EDV ausgestattet seien. Darum sei die "Frage der Umsetzung in den Bundesländern zwischen Kassen und Ärzten" zu planen: "Und das braucht ein gerüttelt Maß an Zeit", gibt Probst im STANDARD-Gespräch zu bedenken. Immerhin gelte es einen "Kulturwandel" im Umgang zwischen Ärzten und Kassen einzuleiten.

Verwaltungsratspräsident Herwig Frad meinte, der Hauptverband solle sich nicht als "konservative Organisation" gerieren. Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (FP) sähe die Chefarztpflicht am liebsten "so rasch wie möglich" beseitigt, mit der Chipcard werde sie ohnehin obsolet. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Printausgabe, 31.10./1.11./2.11.2003)

  • Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat hat es in Sachen Neuregelung der Chefarztpflicht eilig
    foto: standard/cremer

    Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat hat es in Sachen Neuregelung der Chefarztpflicht eilig

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