Mannesmann vs. Vodafone: Entscheidung in den USA

20. Jänner 2000, 12:33

EU-Kommission äußert Bedenken gegen Übernahme

Die seit Monaten andauernde Übernahmeschlacht zwischen Mannesmann und Vodafone wird vermutlich an den wichtigen Finanzplätzen, allen voran in den USA entschieden: Während die deutschen Großaktionäre, zu denen unter anderem der Frankfurt-Trust, Union-Investment, BfG-Invest, Commerszbank und Siemens zählten, nahezu geschlossen hinter Mannesmann stünden, unterstützten die britischen Mannesmann-Aktionäre fast ausschließlich die Vodafone-Offerte. Auch roße US-Fondsgesellschaften wie Fidelity Management und Janus Capital favorisieren Vodafone.

Kein neues Treffen der Chefs von Mannesmann und Vodafone

Meldungen, Mannesmann werde mit Vodafone AirTouch doch noch einmal über eine Kooperation reden, hat ein Sprecher des Düsseldorfer Unternehmens nicht bestätigt. "Wir bleiben bei unserer Erklärung, dass nur ein substanziell verbessertes Angebot von Vodafone, also eine Offerte, in der Mannesmann mehr als 50 Prozent am vereinigten Unternehmen halten würde, eine mögliche Gesprächsgrundlage wäre", sagte ein Sprecher am Mittwoch. Da Vodafone erklärte habe, das Angebot sei endgültig, gebe es keine Grundlage für Spekulationen über ein neues Treffen zwischen dem Vorstandsvorsitzenden, Klaus Esser, und Vodafone-CEO Chris Gent.

Gespräche mit Vivende "überinterpretiert"

Zugleich stellte der Sprecher klar, dass auch die Äußerungen von Esser zu Gesprächen mit dem Partner Vivendi SA, Paris, seit Tagen "überinterpretiert" würden. Seit Wochen kursieren Gerüchte, der französische Mischkonzern Vivendi werde dem von der feindlichen Übernahme bedrohten Düsseldorfer Mannesmann-Konzern zur Seite springen. Berichte, der Vorstand der Mannesmann AG strebe möglicherwiese nach einer führenden Rolle auf dem französischen Mobilfunkmarkt wurden von Mannesmann erneut nicht bestätigt.

"Nichts dran" sei demnach auch an der Behauptung, Mannesmann wolle vor dem 7. Februar, dem Ablauf der Umtauschfrist des Übernahmeangebots der Vodafone AirTouch plc, Newbury, eine Beteiligung am größten französischen Mobilfunkbetreiber Cegetel, dessen Haupteigentümer Vivendi ist, erwerben. Mannesmann ist an Cegetel mit einem Anteil von 15 Prozent engagiert. Eine Mehrheitsbeteiligung von Mannesmann an Cegetel würde eine Übernahme des Düsseldorfer Konzerns durch die britisch-amerikanische Vodafone weiter erschweren, weil die Düsseldorfer mit eigenen Aktien bezahlen könnten und Vivendi womöglich eine entscheidende Beteiligung von 15 Prozent an Mannesmann halten würde.

EU-Kommission hat Bedenken

Unterdessen hat EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti in einem ungewöhnlichen Schritt eine Erklärung zur geplanten feindlichen Übernahme veröffentlicht. In der in Brüssel verbreiteten Erklärung unterrichtete Monti die Öffentlichkeit offiziell darüber, dass sich sein Wettbewerbsbereich bereits mit der umstrittenen Fusion befasse. Vodafone hat die Übernahme vor wenigen Tagen bei der Europäischen Kommission zur Genehmigung angemeldet, so als sei die Schlacht schon entschieden.

Die Frist für die seit dem 14. Jänner laufende Untersuchung endet am 17. Februar. Sie wird aber automatisch um zwei Wochen verlängert, sollte Vodafone Zugeständnisse im Falle wettbewerbsrechtlicher Bedenken machen. In dem vielleicht strategischen Schachzug Vodafones, durch eine Anmeldung in Brüssel den Aktionären bereits zu zeigen: "Schaut her, hier läuft bereits alles seinen normalen Gang", wollte Monti jedenfalls nicht als Figur dienen und in die Schlacht hineingezogen werden. (APA/vwd/red)

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