Temelín: Tschechien lehnt Nullvariante ab

30. Oktober 2003, 23:00
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Kein "Aus" für das Atomkraftwerk - Pühringer und Ferrero-Waldner enttäuscht

Freistadt - Der tschechische Außenminister Cyril Svoboda hat bei einem Treffen mit seiner österreichischen Amtskollegin Benita Ferrero-Waldner am Mittwoch in Freistadt die Nullvariante, also ein endgültiges Abschalten des Atomkraftwerks Temelín, abgelehnt.

Tschechien hält Sicherheitsvorkehrungen für ausreichend

Er sagte aber zu, dass Tschechien alle in Melk und Brüssel eingegangenen Verpflichtungen zur Verbesserung der Sicherheit einhalten werde. Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer, der ebenfalls an dem Treffen teilgenommen hatte, war nicht zufrieden. Er kritisierte fehlende Sicherheitseinrichtungen in Temelín.

Zahlreiche Atomgegner versammelten sich

Ferrero-Waldner hatte Freistadt deshalb als Treffpunkt gewählt, damit der tschechische Gast die Sensibilität der Österreicher gegenüber Temelín spüren sollte. Atomgegner konfrontierten ihn bei seinem Eintreffen damit. Er war ihnen gegenüber aber sehr kurz angebunden. "Tschechien will einfach nicht über einen Ausstieg verhandeln. Jetzt ergibt sich doch ein Hoffnungsschimmer, da sich nun die Außenministerin verstärkt für die Nullvariante einsetzt", sagte der Obmann von "Stop Temelín", Josef Neumüller. Vom "Anti Atom Komitee" wies Manfred Doppler die Außenministerin darauf hin, dass die Sicherheitsverbesserungen und die Mängel, die im Expertenbericht festgehalten sind, noch nicht erledigt sind.

Ferrero Waldner deponierte Wunsch der Österreicher

Ferrero Waldner deponierte im bilateralen Gespräch erneut den Wunsch Österreichs nach einer Nullvariante für Temelín. "Zu unserem Bedauern ist die Regierung der Tschechischen Republik nach wie vor nicht bereit, diese Möglichkeit ernsthaft in Betracht zu ziehen, und will sich auch für die Zukunft die nukleare Option offen halten", erklärte die Außenministerin.

Landeshauptmann Pühringer gibt die Hoffnung noch nicht auf

Landeshauptmann Josef Pühringer stellte fest, dass nach einem österreichischen Expertenbericht wesentliche Sicherheitseinrichtungen in Temelín noch immer nicht erreicht seien. Für ihn sei die Nullvariante noch nicht vom Tisch, zumal dies im Programm der Regierung vorgesehen sei. Aber zum Verhandeln gehörten eben zwei. (red, DER STANDARD Printausgabe 30.10.2003)

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